12 Der Tannhäuſer.
wir hinten das Haus wieder und ſehen nun, getrennt durch jenen Zwiſchen⸗ raum, deſſen wir oben erwähnt, das andere Häuschen vor uns liegen. Dieſem Zwiſchenraume aber ſind wir ſchuldig einen flüchtigen Blick zu ſchenken. Es iſt auch wieder eine Art von Garten, aber ganz anders als der erſtere, den wir ſo eben durchſchritten. Was wir dort vermißten: kleine Raſenflecke, ein paar geſchlungene Wege, etwas Geſträuch, finden wir hier. Dazu dehnt ſich uber unſerem Kopfe— wir ſtehen immer noch auf der Schwelle der Hinterthür des vorderen Hauſes— eine Veranda aus, von Baumäſten, Stangen, Stützen und dergleichen ziemlich roh garbeitet, aber gerade in dieſer natuͤrlichen Einfachheit ſo außerordentlich maleriſch. Wilde Rebe ſchlingt ſich durch das dürre Sparrenwerk und überzieht es mit friſchem, angenehmem Grün. Unter dieſer Veranda ſteht eine kunſtloſe hölzerne Bank, ein ähnlicher Tiſch, und an der Wand des Hauſes unter dieſer grünen Laube ſehen wir allerlei höchſt ſeltſame Verzierungen. Da ſind Arme und Beine von Stein und Gyps, auch kleinere und größere Sta⸗ tuen, aus dem letztgenannten Material beſtehend, aber faſt alle mehr oder minder beſchädigt; dort iſt ein Torſo der mediceiſchen Venus mit dem bär⸗ tigen Kopf Gott weiß welches Patriarchen oder Apoſtels; der Apoll von Belvedere ſtreckt freilich hier noch immer ſeinen Arm aus, aber— entſetz⸗ lich!— auf demſelben hängt eine rothkarrirte Schürze, die ſich ſo unendlich behaglich im Hauch der warmen Fruhlingsluft hin und her bewegt. Dort der farneſiſche Herkules ſtützt ſich ſtatt auf ſeine Keule auf ein kleines Grabſcheit; und ſo könnten wir noch eine Menge Sachen aufzählen, manche davon zufällig entſtanden, manches aber auch, wie es ſich hier befindet, durch ausgelaſſenen Muthwillen komponirt. So unter Anderem das freilich zer⸗ brochene, aber in ſeinen Trümmern noch ſo edle, wenn gleich furchtbar an⸗ zuſchauende Meduſenhaupt mit der ſchwarzen, freilich nur gemalten Binde über dem rechten Auge und dem kleinen Pfeifenſtummel zwiſchen den Lippen. Der Boden der Veranda und der untere Theil des Hauſes ſind mit weißem Staube und kleinen Brocken gewöhnlichen Steines, ſowie unbedeu⸗ tenden Marmorreſten bedeckt. Neben der Bank ſehen wir noch ein ſchönes korinthiſches Kapitäl aus grauem Stein gehauen, aber unfertig, auf deſſen oberem Theil ein Brettchen liegt und das als Stuhl zu dienen ſcheint. Auf dem oben erwähnten Tiſche liegt ein Zeitungsblatt, daneben eine ausgerauchte Kölner Pfeife, und nah am Rande ſteht ein Krüglein mit zinnernem Deckel. Wir nähern uns jetzt dem zweiten Hauſe, das ebenfalls nur aus einem Stockwerke beſteht und um das wir herumgehen müſſen, um an ſeine vordere,


