Jahrgang 
3 (1859)
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Von F. W. Hackländer. 11

Bäumen und Sträuchern nichts da, was die liebe Sonne gehindert hätte, das Fleckchen Land hier mit recht hellem, glänzendem Sonnenſchein zu über⸗ gießen. Für dieſe warme Zuneigung bezeigte ſich aber auch die Erde hier äußerſt dankbar; man roch ordentlich, wie fruchtbar ſte war. Und dabei ſah ſte ſo wohlgearbeitet aus; die Feuchtigkeit des geſtrigen Mairegens war wohl noch hie und da erſichtlich, aber ſchon hatte die Hitze auf dem dunkle⸗ ren Boden eine hellere Kruſte angeſetzt. Und angepflanzt war dieſer kleine Garten, daß es ein Vergnügen war; hier erſchien ſchon ein ganzes Beet voll der wolligen Blätter der Kartoffelpflanze; dort ſah man lange Reihen friſchgrüner Erbſenblätter und daneben die runden Rücken keimender Bohnen, wie ſie vorſichtig und leiſe mit denſelben winzige Erdſchollen aufhoben, um zu ſehen, ob es draußen anfange hübſch und ſauber zu werden.

Blumen fehlten grade auch nicht, obgleich die frühe Jahreszeit noch wenig Knoſpen wach geküßt hatte. Roſen waren ziemlich vertreten, aber durchaus nicht in feinen Sorten mit allerlei confuſen Namen; hier herrſchte allein nur die Centifolie, dafür aber, wie um ſich dankbar zu beweiſen, in großen üppigen Buüſchen.

Der eine gerade Hauptweg, der vom Eingangsthor nach dem vordern Hauſe führt und von dem wir rechts und links in die gradlinigen recht⸗ winkligen Beete ſchauen, iſt ſo ſchmal, daß es uns unmöglich iſt, zu Zweien zu gehen. Wir wollen durch dieſe Bemerkung gewiß nicht auf die heutige Mode der Crinoline anſpielen: dieſe iſt ja vergänglich, wie hunderte ihrer Vorgängerinnen, und wenn wohl ſchon lange kein vernünftiger Menſch an

die unförmlichen Reifröcke denkt, wird vielleicht der Weg hier immer in

derſelben ſchmalen Einfachheit beſtehen.

Das Haus, zu dem wir nun gelangen, hat nur ein, aber ziemlich hohes Parterreſtockwerk, und in demſelben auch wieder eines jener außer⸗ ordentlich hohen Fenſter; doch iſt dies Fenſter verhängt, und da wir näher treten, ſehen wir, daß es bis auf den Boden herunter geht und eigentlich eine breite Glasthüre iſt.

Da wie drüben die Gartenthüre, jetzt auch hier die Hausthüre offen iſt, ſo treten wir in einen kleinen Gang und ſehen an einer Thuͤre rechts einen weißen Zettel angeklebt, auf dem in ziemlich ſteifen Schriftzügen zu leſen iſt: Luigi Pisani, Scultore. An der andern Thüre gegenüber iſt eine Viſiten⸗ karte angeklebt, auf welcher, aber in feiner, zierlicher Schrift, daſſelbe ſteht. Da es aber nicht der Signor Piſani iſt, dem unſer Beſuch gilt, ſo verlaſſen