Jahrgang 
3 (1859)
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Von F. W. Hackländer. 7

natürlich findet, wenn ſeine weiten Beinkleider ſich angenehm und bequem in die Höhe ziehen.

Aber weiter auf unſerem Spaziergange! Die Straße, die wir eben durchwandert, verbindet in ihrer Dürftigkeit zwei beſſere Quartiere; denn drüben iſt wieder eine breite Straße, ebenfalls mit hohen Häuſern beſetzt; doch haben dieſe Häuſer größere Fenſter und Eingangsthüren, kurz einen wohnlicheren Anſtrich. Das weibliche Dienſtperſonal, welches man hier ſteht, erſcheint beſſer gekleidet, rennt auch nicht ſo in größter Eile an ein⸗ ander vorbei, ja überläßt ſich an Haus⸗ und Ladenthüren ſchon einem behag⸗ lichen Plaudern oder wechſelt ein paar Worte mit irgend einem Bedienten, die hier ſchon wieder, wenn auch in einfacher Livree, ſichtbar werden, hält doch auch ſchon hier und dort vor den Häuſern eine Cquipage; freilich iſt eine davon nur ein Fiaker, aber die andere, jene ſchwere, grüne Kaleſche mit dem alten brummigen Kutſcher auf dem Bocke, beſpannt mit ziemlich ſteifen Mecklenburgern, iſt Eigenthum des Herrn Präſidenten des Obertribunals. Und dieſe Kaleſche wird ſchon von weitem ehrfurchtsvoll gegrüßt von all' den Dienern in grauer Livree, die wir hier mit großen Aktenſtößen beladen von einem Haus ins andere wandern ſehen.

Doch ſetzen wir unſern Weg fort. Wir kommen in ein Stadtviertel, wo ſich Eleganz und Armuth die Hand zu reichen ſcheint, wo wir aus all' den Straßen, die wir bisher durchwandert, etwas vereinigt finden. Dort halb zurückgezogen in die Seitengaſſe bemerken wir einige der einfachen und eleganten Equipagen mit hochadeligem Wappen, nicht weit davon vor einem anſehnlichern Hauſe hält einer jener glänzenden Wagen mit den reich geſchirr⸗ ten Pferden, Kutſcher und Bediente in ausgeſuchter Livree, ja wir meinen ſogar jenen alten dicken Herrn wiederzuſehen, der drüben vergaß, ſein Sack⸗ tuch in die Taſche zu ſtecken und der nun hier aus der Hausthüre tritt, behaglich ſchmunzelnd. Es kann aber auch ein Anderer ſein; ſie gleichen ſich alle; iſt auch für uns gleichgültig, denn der Wagen rollt mit Oſten⸗ tation davon. Aber hie und da an den Fenſtern erſcheinen Köpfe, meiſtens weibliche, friſirte und unfriſirte, um ihm lächelnd nachzuſchauen. Aber die Art dieſes Lachens iſt ſo verſchieden, wie die Lacherinnen ſelbſt und ihre Toilette, und luſtig oder hämiſch, ſpöttiſch oder boshaft, ganz darnach, ob ſich das dichte volle Haar in zierlichen Buckeln und Locken zeigt, oder ſich unter einem grauen Tuche verbirgt, oder ob der Buſen rund und voll ein ſeidenes Kleid hebt oder gänzlich unſichtbar iſt unter einem wollenen, bunt⸗ karrirten Umſchlagtuch.