4 Der Tannhäuſer.
chen, ſo umwickelt er zuerſt die Hand mit einer Serviette, damit es nicht klatſche.
Wer in dieſer vornehmen Straße wohnt, brauchen wir dem geneigten Leſer wohl nicht zu ſagen. Eilen wir lieber hindurch zu kommen; die ruhige und langweilige Größe dieſer Häuſer könnte uns die gute Laune verderben.
Unten am Ende angekommen biegen wir links in eine andere, nicht minder breite Straße, die ebenfalls mit ſtattlichen und ſchönen Gebäuden beſetzt iſt. Aber hier hat alles einen neueren, wenn man will, glänzenderen Anſtrich. Hinter dem Haupthauſe ſteht man viel Grün, und durch die eleganten Gitterthore blickend Statuen und Springbrunnen, auch Glas⸗ häuſer, hie und da beſpannte Equipagen, die des Befehls Vorfahren harren. Aber dieſe Equipagen ſind ſehr verſchieden von denen der anderen Straßen, Dort ernſte, einfache Livreen und Karoſſen, nur die Wappen⸗ ſchilder hervortretend, hier die letzteren Nebenſache, ſehr verſchwindend unter dem Golde der Geſchirre und Stickereien der Livreen. Iſt doch auch der Mann, der in derſelben ſteckt, hier ein ganz anderer. Dort unter der neun⸗ zackigen Krone ſteht er ruhig da, ſteif, mit einer bezeichnenden Gleichgül⸗ tigkeit in ſeinen Mienen gegen alles, was um ihn her vorgeht. Er, der Kutſcher und die alten vornehmen Pferde halten da, faſt ebenſo unbeweglich wie die Schildhalter am Wappen, während hier der bewegliche Lakai mit dem pfiffigen Geſicht— er zerkaut den Stiel einer Roſe, die er ſo eben abgepfluͤckt— neben dem Kutſcherbocke ſteht, ſeinem Collegen etwas unge⸗ heuer Komiſches erzählt und dazu hin und her tänzelt, während der Roſſe⸗ lenker ſeine Peitſche leicht und gewandt auf und ab wickelt. Auch Muſik ſchlägt hier wieder an unſer Ohr; wir vernehmen gutgeſpielte Paſſagen auf einem Inſtrument von prachtvollem Tone, vielleicht auch eine Phantaſte von Chopin, ja wir hören auch ſingen, aber nicht das kleine, blitzende Stern⸗ lein, ſondern
»Ah je veux briser ma chaine disait le bel Ivan.«
Wenn wir langſamer gehen, werden wir auch vielleicht das Glück haben, die Sängerin zu erblicken. Dort tritt ſie auf den Balkon, friſche Luft athmend nach den Anſtrengungen ihres Geſanges und dabei gelegentlich die Straße auf und ab blickend. Es iſt eine junge Dame in ſehr reicher und ſehr eleganter und ſehr leuchtender Toilette. Ihr Teint iſt etwas bleich, der Geſichtsſchnitt ſüdlich ſcharf, Augen und Haare ſchwarz. Sie bleibt auf
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