476 Piemont und das Haus Savoyen.
im Rücken des Belagerungsheers, bis der Prinz Eugen von Savoyen und die Preußiſchen Bayonette unter Anhalt 7. Sept. 1706 den Franzoſen vor Turin eine große Niederlage beibrachten.
In dem Utrechter Frieden, welcher den ſpaniſchen Erbfolgekrieg 1713 beſchloß, wurde dem Haus Savoyen aus dem ſpaniſchen Erbe Sicilien mit der längſt angeſtrebten, nach dieſer Inſel benannten Königskrone zugeſtanden. Da aber 1720 Oeſterreich den neuen König nöthigte, ihm Sicilien gegen das werthloſe Sardinien zu überlaſſen, ſo änderte ſich darnach auch der Königstitel. Dieſe Inſel, welche zwar treffliche Häfen und fruchtbare Landſtriche, aber außer im Winter ein gefährliches Klima hat, war durch die lange ſpaniſche Herrſchaft, durch Unterdrückung des Hinter⸗ ſaſſen, durch Weglockung der reichſten Familien an den ſpaniſchen Hof tief geſunken; ſie vegetirte in ſeinen Lehensbanden mit eignen elenden Finanzen iſolirt fort, bis Karl Albert ſie beſonders durch Ablöſungsgeſetze und Straßen zu heben wußte. Dennoch ſagte er öfters zu einem Vertrauten, er wuͤrde die Inſel gerne gegen Parma austauſchen. Die Unwiſſenheit und Trägheit der vielen Mönche nöthigte die jetzige Regierung zu Geſetzen, welche als ein Eingriff in göttliche und menſchliche Regierung verſchrieen werden. Erſt ſeit 1847 iſt die Inſel mit Piemont faktiſch vereinigt, und ſtellt erſt ſeit kaum einem Jahrzehnd Soldaten.
Obiger Zwangstauſch löste die Allianz mit Oeſterreich und führte Piemont in ein Bundniß mit Frankreich, wie denn Piemonts Politik darin beſtand, ſich freie Wahl der Bündniſſe mit Huͤlfe Englands und Hollands zu erhalten und bald an Frankreich, bald an Oeſterreich ſeine für Italien gewichtige Bundesgenoſſenſchaften um den Preis von Gebietserweiterungen zu verkaufen. Die Alpen ſchuͤtzten es gegen Frankreich, und Oeſterreich beſaß an Piemonts Oſtgrenze, der Seſta, nur das Herzogthum Mailand, welches von ſeinem Staatskörper durch das große venetianiſche(bis an den Comerſee reichende) Feſtland getrennt war. Und dieſes Herzogthum ſchwand mit jedem neuen Krieg in Italien, indem Piemont fortfuhr,„die ſchöne Artiſchocke Lombardei Blatt für Blatt aufzuſpeiſen.“ Als die treff⸗ liche Maria Thereſta im öſterreichiſchen Erbfolgekriege llieber ihr Italien vollends, als ein Dorf an Preußen zu verlieren entſchloſſen war, trat ſie 1743 alles lombardiſche Land weſtlich vom Teſſinfluß an Piemont ab, welches dafür Frankreich bekriegte. Allein die Reue über dieſe Abtretung ſtellte ſich in Wien ein, beſonders ſeit Oeſterreich, im


