Jahrgang 
2 (1859)
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474 Piemont und das Haus Savoyen.

markt werden, ob ihnen gleich ſchon 1034 Turin zufiel. Wie das bedrängte Trieſt ſich die Habsburger als Herren wählte, ſo wählte das franzöſiſch redende Nizza 1388 ſich die Grafen von Savoyen. Nach Beſeitigung der Gefahr der Theilung der ohnehin zerſtreuten Lande wurde Savoyen 1416 zum Herzogthum erhoben, gleichzeitig mit der Belehnung der Hohenzollern mit dem Churhut von Brandenburg.

Kaum eine andere Regentenfamilie hat ſo viele Gefahren beſtanden, hat ſich aus wiederholter, Jahrzehnde langer Unterdrückung mit ſolcher Schnellkraft wieder erhoben. Weitſchweifende Ritterlichkeit, kalte Berech⸗ nung, ein myſtiſcher Zug ſind der Grundcharakter dieſes jedenfalls ausge⸗ zeichneten Fürſtenhauſes; in dem einen Fürſten tritt mehr der eine, je nach den Jahren bei mehreren einer dieſer Zuͤge nach dem andern hervor. Einige verdienten ſich den NamenEiſenkopf; nicht bloßder grüne Graf Amadeus VI.( 1383) wollte durch Waffen hochberühmt werden ou mourir de peine. Er ſchaffte durch ſeine Waffen dem Kaiſer in Conſtantinopel Luft gegen Türken und Bulgaren; daher gab es eine Linie Piemont⸗Achaja. Ama⸗ deus VIII.,der Salomon ſeiner Zeit, ſtand dem Kaiſer Sigismund gewaltig gegen die Huſſiten bei. Auch er wußte den Adel zu bändigen, das Volk zum geordneten Fußvolk und zu Steuern, aber auch zu den Ständen beizuziehn. Im Jahre 1434 legte er freiwillig, wie ſpäter noch andere dieſer Fürſten, nachdem ihre Kraft ſich in Regentenſorgen verzehrt hatte, die Regierung nieder und zog ſich in eine Einſiedelei zurück. Daraus berief die Basler Kirchenverſammlung ihn als Papſt Felix ab, weil er ſchon in Conſtanz Eifer für Reformation der Kirche an Haupt und Gliedern bewährt hatte. Um das Schisma der Kirche zu beendigen, verzichtete er 1449 auf die Papſt⸗ würde, wofür ſein Sohn von Papſt Nicolaus V. 1451 Indulte erhielt, kraft deren keine Fremde im Lande als Geiſtliche angeſtellt werden durften eine Schutzwehr gegen die Vergebung der beſten Pfründen an Günſt⸗ linge des päpſtlichen Hofs und dem Herzoge noch weitere Rechte dem Klerus gegenüber, als ſchon ſeine Vorfahren behauptet hatten, z. B. auf Ernennung zu geiſtlichen Wuürden vorbehalten blieben. Da überdies die Strafgeſetze der Arianiſchen(rationaliſtiſchen) Burgunder gegen Diſſidenten mild waren, gelang es den Eiferern hier erſt gegen das Ende des Mittel⸗ alters Ketzer zu verbrennen. So hatten die Waldenſer ihren Glauben und ihr Daſein friſten können, bis die Jeſuiten gegen ſie die grauſamen Verfolgungen anſtifteten.