1 V
472 Eheſtandsbriefe meines dumm. Vetters an ſ. weiſe Baſe. Von L. Gildemeiſter.
alle, Herr Neffe, oder es iſt noch nicht der richtige Fund. Ich will Ihnen das an einem Beiſpiel klar machen. Ich habe mir ſagen laſſen, daß man für eine mäßige Summe ein Dutzend Raſirmeſſer kauft(Vvielleicht hat ſie ſelber dieſe Erfahrung gemacht, liebe Baſe, da ſie einen wirklichen und wahrhaftigen hübſchen Bart hat!), zwiſchen denen man gewöhnlich freilich nur ein gutes, aber dieſes auch ſicher findet. Da kann man die andern wegwerfen und hat doch nicht zu theuer gekauft.“—„Das iſt charmant!“ ruft Philippine lachend.„Das ſchlägt dich auf deinem eigenen Felde, Guter!“—„Ich weiß doch nicht,“ entgegne ich unglückſeliger Menſch kopf⸗ ſchüttelnd.„Wenn ich nun gleich die ganze Summe für ein Meſſer bezahlte — beiläufig, Frau Tante, hier vermiſſe ich bei Ihrem Beiſpiel auch das tertium comparationis— ſo hätte ich ſogleich ein gutes und wäre nicht der Gefahr ausgeſetzt, daß ich, wie in Ihrem Fall, vorher möglicherweiſe elfmal die Haut ohne den Bart los würde.“
„Alſo glauben Sie, daß ich Ihnen, wenn ich die untüchtigen Dirnen wechſele, nach Ihrem ungebildeten Ausdruck„die Haut abzöge“, Herr Neffe?“ ruft ſie und rauſcht vom Tiſch empor.„Gott, wenn ich das geahnt hätte, du armes Kind, daß du einen ſolchen— komm, Philippine!“ Und damit geht's zur Thür hinaus.
Seitdem erfahre ich nichts Gutes mehr, liebe Baſe; man macht mir den Krieg in meinem eigenen Hauſe. Philippine iſt— in ihrem Zuſtande, die Tante Dorothea bringt ein Kinn uͤber das andere zum Vorſchein und ergeht ſich in den herrſchſuͤchtigſten Launen, und ich— ich weiß nur, daß ich ein Menſch bin, der es nicht beſſer verdient, wenn er ſich dies alles gefallen läßt. Hätte ich nur nicht die Ausſicht auf mein Kind!
Amandus.


