Jahrgang 
2 (1859)
Einzelbild herunterladen

470 Eheſtandsbriefe meines dummen Vetters an ſeine weiſe Baſe.

Wirthſchaft den Krieg, und Sie können denken, liebe Baſe, daß ſeitdem entſchuldigen Sie den unzarten Ausdruck, der jedoch den Nagel auf den Kopf trifft der Teufel los war. Es gab keine friedliche Ecke und Minute im ganzen Hauſe; keiner konnte ſich retten oder bergen. Die Mädchen zogen einigemal die Stiefel an, drohten zu gehn und gingen endlich wirklich; die neuen taugen, da es außer der Zeit und jedes brave Mädchen einen Dienſt hat, gar nicht und gehn in einigen Tagen auch wieder.

Das ſchadet nichts, ſagt die Tante;bei alten Dienſtboten kommt nichts heraus als eine Inkonvenienz über die andere. Die neuen zieht man ſich beſſer nach der Hand.Ja ja, meint Philippine,du haſt recht, Tante. Ich hätte es längſt ſo gemacht, wenn nicht der liebe Amandus bei der leiſeſten Hindeutung auf einen Wechſel ſtets einen ſo ſchrecklichen Lärm erhoben hätte.

Was ſagen Sie dazu, liebſte Baſe? Sie kennen mich doch auch und wiſſen, daß ich mich von Dingen, die mich nichts angehen, am liebſten fern halte. Und ich ſchwöre es Ihnen, daß ich nur ein einzigesmal, als Philip⸗ pine über einen wahren Quark ganz außer ſich war, ſie zu beruhigen ver⸗ ſuchte. Von Wegſchicken iſt bisher nie die Rede geweſen, und Philippine würde mich bei einer ſolchen Intention auch noch gefragt haben!

Männer geht dergleichen gar nichts an, ſpricht die Tante ſo gravi⸗ tätiſch, daß aus ihrem Doppelkinn ein dreifaches wird;oder man darf auf ein Intereſſe ſchließen, das höchſt verwerflich, ja fluchwürdig iſt, Herr Neffe.O Gott ja! ſeufzte Philippine,( weiß Gott, Baſe, ſie ſeufzte, etwas, das ich bisher noch nie von ihr vernommen!)und es iſt mir auch deßhalb lieb, daß beſonders die Joſephe fortgekommen. Ich muß ſehr verwundert ausgeſehn haben, denn ſte ſetzte unmittelbar hinzu: o, thu' nur nicht ſo unſchuldig! Ich habe leider Gotts meine Anzeichen, daß du dir mehr mit ihr zu thun gemacht, als du verantworten kannſt. Und wie weit du gegangen davon weiß ich armes unglückliches Weib am wenigſten! In ſolchen Punkten ſind alle Männer ſchrecklich gewiſſenlos. Und ich die ich hier fern von meiner Heimat und den Meinen, einſam zwiſchen den fremden, herzloſen Menſchen, allein auf dich angewieſen¹.

Aber Philippine! unterbreche ich ganz entſetzt den Fluß dieſer Redensarten, welche aus reinem Himmel auf mich hereinſtuürmen.Was redeſt, was faſelſt du? Wo böte dir mein ganzes Leben auch nur einen einzigen Anhaltspunkt für ſolche Einfälle und Vorwürfe?O, ruft ſie,