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Eheſtandsbriefe meines dummen Vetters an ſeine weiſe Baſe.
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ſie ſogar mit einander verheirathete, da ändert ſich in meinem Sinn die Sache— in Betreff ſowohl des„Angehns“ wie des Intereſſirens, zumal wenn der Streit fuüͤr den Mann und ſeine Häuslichkeit einige nicht abzuleug⸗ nende Folgen hat. Denn er hatte Folgen, liebſte Baſe! Meine gute Philippine hat ſeit meiner Frage darnach die Sache nie vergeſſen, ſondern immer wieder in Anregung gebracht und zwar am häufigſten jetzt, wo die Tante Dorothea da iſt. Es wird immer geſtichelt auf mich und auf— Gott weiß welche Eigenſchaften von mir, auf meinen Verkehr mit Ihnen und auch— ich muß es nur grade heraus ſagen— auf Sie ſelbſt, meine gute Baſe. Es wäre alſo, meiner ſimpeln Meinung nach, das allerverzeih⸗ lichſte, wenn ich einmal einen Blick in dieſe Myſterien zu thun wünſche. Es ſind Myſterien da und ſie ſcheinen niemand mehr anzugehn als mich. Was iſt vor und bei meiner Hochzeit mit Philippinen vorgefallen und was iſt ſeitdem paſſtrt? Hat man etwas Beſonderes mit mir oder mit uns beab⸗ ſichtigt, und hat Philippinens Weſen einen Strich durch die Rechnung ge⸗ macht? Ich möchte das doch wiſſen, denn in gewiſſen Dingen, wiſſen Sie wohl, verſtehe ich am Ende doch auch keinen Spaß.
Ich ſehe Ihr Geſicht vor mir, liebe Baſe, wenn Sie dieſen Anfang leſen,— Ihre ſtrengen finſtern Züge, die großen ſcharfen Augen,— und
ich höre Sie fragen:„was fällt dem Narrn ein?“— Sie haben wohl recht!
Ich bin von je ein Narr, ein gutmuͤthiger Narr geweſen, der zu allem und jedem den gehorſamen Diener machte und niemals ſich zu wehren wagte. Ich ſehe das ein, ich ſehe ein, daß mir die Kraft fehlt durchzugreifen und feſt aufzutreten; ich ſehe ein, daß ich ungluͤcklich werde— eigentlich bin ich's ſchon— und ich werde daher immer bitterer. Es kann und darf nicht ſo bleiben, und doch— wie wird es anders werden?— Wird es was nützen, daß ich mich gegen Sie ausrede? Finde ich bei Ihnen Troſt und Hülfe?— Aber gleichviel! Gegen irgend jemand muß ich mich ausreden, und, wie es auch ſonſt ſein mag, hier ſind Sie in gewiſſer Beziehung eine Leidens⸗ genoſſin und finden es vielleicht angebracht mit mir zuſammenzuhalten und Front zu machen gegen— den gemeinſamen Feind.
Die Tante Dorothea— das heißt: Gottesgabe, und den Namen führt ſte mit Unrecht! Man ſieht auch hieraus, wie vorſichtig Eltern in der Wahl des Namens für ihr Kind ſein ſollen, damit derſelbe nicht wie ein Hohn in die Welt hinausklingt!— Die Tante Kriegsräthin— das iſt richtig, denn eine ſolche iſt ſte, wie man ſie nur wuͤnſchen kann. Sie


