Jahrgang 
2 (1859)
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466 Eheſtandsbriefe meines dummen Vetters an ſeine weiſe Baſe.

Spaß ſein und iſt ſicher vor vielen andern geeignet, Nachdenken und Beſorg⸗ niſſe in dem Manne anzuregen, deſſen Haus ſie auf längere Zeit mit ihrem Beſuch beehren will.

Nun iſt ſie jedoch ſeit ſechs Tagen hier und verſtellt ſich, meiner Mei⸗ nung nach, in keiner Weiſe; iſt zwar ein wenig parteiiſch für meine Frau, und freilich ziemlich entſchieden in ihrem Auftreten allein, liebſte Baſe, das erſtere iſt bei Philippinens Zuſtand und bei der Stellung beider Frauen zu einander am Ende natürlich, und was die Entſchiedenheit in ihrem ganzen Weſen, in ihrem Anordnen, Einrichten u. ſ. w. betrifft, ſo muß ich bekennen, daß ich damit durchaus nicht unzufrieden bin. Denn ich ſehe täglich klarer ein, daß ſie auch verſteht, was ſie anordnet, einrichtet, daß ſie eine wetter⸗ ſcharfe, grundtüchtige Hausfrau, welche unſer Hausweſen ſchon in dieſen paar Tagen wunderbar regulirt hat und es mit feſter Hand regiert. Dafür kann man ſich denn ſchon dies und jenes gefallen laſſen, zumal wenn man ſo viel wie ich unter demNichtverſtehn zu leiden gehabt. Es hat jetzt doch alles Hand und Fuß, und die Mägde mögen das Kommando verſtehn oder nicht, es mag ihnen konveniren oder widerſtreben ſie müſſen es ausführen.

Damals, vor drei Wochen, habe ich alſo mit Philippinen uber Ihre Vernachläßigung in dieſer Sache geredet und zwar ſogleich, nachdem ich den Brief an Sie abgeſchickt. Es war ein ſchwer Stuͤck Arbeit, liebe Baſe; denn Sie mögen mir glauben oder nicht ich muß es zu Gott weiß welchem

Nale wiederholen: ſanftmüthig, nachgiebig und umſichtig iſt Philippine jetzt noch weniger als früher, und wenn ſie es, wie Ihr drüben es behaup⸗ tetet, überhaupt jemals geweſen, ſo hat entweder die Ehe ſie geändert oder ſie ſchlug und ſchlägt nur mir gegenüber einen andern Ton an als gegen alle Uebrigen. Das betrübt mich, aber was kann ich dagegen thun? Von einem entſchiedenen Auftreten, von Beſtimmen und dergleichen, wie man es bei andern Männern ſieht, kann hier gar keine Rede ſein. Erſtens bin ich ein gutmüthiger Menſch und zugleich keineswegs eingebildet auf meine Fähig⸗ keiten und Einſichten. Ich laſſe mich beſcheiden und füge mich fremder Klug⸗ heit. Zweitens iſt ja ihr Zuſtand jetzt von der Art, daß er die höchſte Schonung verlangt, und ſelbſt die Tante Dorothea hat mich bereits ermahnt recht vorſichtig zu ſein, obgleich ſie doch ſicher noch keine Beweiſe hat, daß ich es jemals nicht wäre.

Nun, liebſte Baſe, was Philippine mir damals geantwortet, als ich