Jahrgang 
2 (1859)
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Von Eliſe Polko. 15

des Direktors auf die feierliche Anfrage des Paſtors eingelaufen war. Eli⸗ ſabeth ſtand dabei und reichte ihr jedes Stück mit kindlicher Freude hin. Das war eine anmuthige Arbeit. Zuletzt war aber alles fertig Schnei⸗ derinnen, Wäſcherinnen und Büglerin verſchwanden, und es gab endlich nichts mehr zu thun als auf den aus dem Bade Heimkehrenden zu warten. Seine Antwort war längſt da er beabſichtigte, im Laufe der nächſten Woche in M. einzutreffen.Es wartet ſich doch gar ſchwer, meinte Eliſabeth. Sie hatte nirgends mehr Raſt noch Ruh, ſelbſt nicht auf der Kirchhofmauer. Die vierhändigen Kirchenlieder ſpielte ſte längſt nicht mehr, ſie hielt keinen Takt, und der Vater wurde ungeduldig beim Zuhören, ſie las auch nicht, höchſtens zeichnete ſie dann und wann ein wenig. Am liebſten ließ ſie ſich von der Muttet von dem Leben und Treiben in F. er⸗ zählen, wie es die Paſtorin, als, ſie noch die ſchöne Armgard Albert war, kennen gelernt.

Gottfried Berger ließ ſich jetzt ſelten ſehen, auch Abends zog er ſich unter dem Vorwand dringender Studien in ſein Zimmer zurück. Man ver⸗ mißte ihn auch wenig odexr gar nicht, denn Eliſabeths Abreiſe war das feſſelnde und unerſchöpfliche Thema aller Geſpräche. Der Paſtor erinnerte ſich auch eines alten Uniyerſitätsfreundes nach dem Andern, der in F. leben mußte, und denen er ſein Kind zu empfehlen gedachte. Der alte Herr hatte übrigens von jeher füͤr das Zeichentalent ſeines Kindes eine Art von Be⸗ wunderung gefühlt, er war ſtolz auf ſeine Tochter, und ſeit jenem Beſuche des Couſins war ihm ſelber der Gedanke gekommen, daß ja ſogar die Bibel gebot:Du ſollſt dein Licht leuchten laſſen vor den Leuten. Die Idee, ſein Kind ſei vielleicht dazu beſtimmt, eine große Malerin zu werden, be⸗ ſchäftigte ihn lebhaft ſo daß er ſehr bald feſt überzeugt war, es bedürfe nur eines Winteraufenthalts in der Stadt, um aus ihr mindeſtens eine zweite Angelika Kaufmann zu machen. Er blickte ſo recht eigentlich in Bezug auf Eliſabeth in einengoldenen Kelch wie das Volk ſo poetiſch zu ſagen pflegt und in der Tiefe dieſes Kelchs lag eine Perle, ihr Talent, ein Talent, an deſſen Ausbildung er auch ſeinen Antheil zu haben glaubte. Hatte er doch dem Kinde erlaubt alle ſeine Papiere vollzukritzeln, ſelbſt die Ränder ſeiner Predigt⸗Manuſcripte! Brachte er ihr doch jedes leere Blatt, das er von eingegangene Briefen abgeſchnitten, und ließ ihr endlich gar ein Zeichenbrett zimmern!

Obgleich ihm die Trennung von Eliſabeth nahe ging, ſo war es ihm