14 Eliſabeth.
Die Paſtorin war hocherfreut, obgleich nicht erſtaunt— ſie hatte ihre Tochter ſeit des„Couſins“ Weggang wohl beobachtet und dieſe Bitte er⸗ wartet. Ihre Gedanken nahmen aber ſofort einen hohen Flug. Sie ſah für Eliſabeth eine Zeit des Glanzes voraus, wie ſie ſie ſelbſt kaum einſt erlebt. Wie ſchön war das Kind! Wie groß F., wie lebendig und inter⸗ eſſant mußte das Haus des Couſins ſein, beſonders ſeit er ſich zum zweiten⸗ mal verheirathet!— Wie entſcheidend konnte dieſer Beſuch fur die Zukunft Eliſabeths werden!— Von alledem ſagte ſie aber kein Wort, ſie küßte nur ihr Kind und meinte:„ich kann mir wohl denken, wie ſehr dich's verlangen mag, eine ordentliche Malerin zu werden. Deine arme Mutter könnte dich ja doch nicht weiter bringen im Zeichnen, du haſt ſie ſchon längſt überholt, und du kannſt nun viel zu viel, um es liegen zu laſſen. Als meinen Vater das Unglück traf, ſollte ich eben auf Porzellan malen lernen— wer weiß, zu was mir das genützt haben würde! Laß mich mit dem Vater reden— und rede du nicht eher mit ihm über deinen Wunſch, als bis ich dir einen Wink gebe.“—
Wie es die Beiden in den nächſten Tagen angefangen, den Paſtor zu bereden— wer konnte es ſagen?— Gewiß war nur, daß genau eine Woche nach jenem Geſpräch zwei Wäſcherinnen und zwei Schneiderinnen im Pfarr⸗ hauſe beſchäftigt waren und daß wenige Tage darauf noch eine Büglerin zu Huͤlfe genommen werden mußte.—
Die Paſtorin nahm eines Morgens ihre Tochter mit herauf in eine abgelegene Kammer, ſchloß dort eine große Truhe auf und zog vor den ſtaunenden Augen des Kindes allerlei Schätze ans Tageslicht. Da kam ein hellblaues Tafftkleid zum Vorſchein und ein dunkelgrünes, ein weißes ge⸗ ſticktes Mouſſelinkleid mit roſenrothen Schleifen, und ein buntſchillerndes Seidengewand. Auch wunderliche Echarpen und Umhängſel, die ebenſo unmodern ausſahen, wie die Kleider, zu denen ſie getragen worden waren. Eliſabeth jubelte aber über alles. Sie hätte dieſe Ueberbleibſel aus der ſo oft beſeufzten und betrauerten Glanzzeit ihrer Mutter am liebſten gleich ſo angezogen, trotz der bauſchigen Falten, puffigen Aermel und kurzen Taillen, hätte es die Paſtorin gelitten.
In kurzer Zeit waren alle dieſe Kleider durch die Hände der Nadel⸗ künſtlerinnen in die prächtigſten Toiletten umgewandelt worden, ſo meinten wenigſtens Mutter und Tochter— und mit wahrem Stolz packte die Paſto⸗ rin eigenhändig die Koffer ihres Kindes, ehe noch die bejahende Antwort


