Jahrgang 
2 (1859)
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16 Eliſabeth.

doch äußerſt angenehm, ſie dann in einer ſo proteſtantiſchen Stadt zu wiſſen wie eben F. Es war ihm lieb, ſie aus der Nähe der Marien⸗ und Heiligenbilder, der Prozeſſionen und Kapellen für eine Weile verbannen zu können. Das Kind ſtand in einem gefährlichen Alter eben 17 Jahre alt! Und was ſie da drüben machen, ſieht ſich mit ſiebzehnjährigen Augen ganz anders an als mit ſiebzigjährigen! meinte er.

Als der Direktor der Malerakademie wirklich da war und der Wagen endlich vor der Thür ſtand, der Eliſabeth und ihren neuen Beſchützer fort⸗ bringen ſollte, da wurde ihr junges Herz mit einemmale centnerſchwer. Während die Andern beim Fruhſtück ſaßen, ging ſie noch einmal wie im Traume durch's Haus vom Boden bis zum Keller, öffnete alle Thüren und ſchaute hinein, beſonders lange aber in des Vaters Studierzimmer, allwo die blaue Rauchwolke nimmer wich, die uber dem Schreibtiſch hing, und die vielen gottesgelahrten Männer unter Glas und Rahmen ſo gränlich drein⸗ ſchauten, als hätten ſie wenig Freude gehabt im Leben. Sie ging auch in die große düſtere Küche, wo die alte, ſonſt ſo rauhe und zänkiſche Magd hinter dem Küchenſchrank in Thränen zerfloß, weil dieMamſell Lieschen fort wollte. Im Gange draußen begegnete ihr die große ſchwarze Katze, die ſonſt nimmermehr ihr Liebling war, heute aber lockte ſie das Thier und ſtrich ihm ſogar ſchmeichelnd über den Rücken. Draußen auf dem Hofe warf ſte dem alten Kettenhunde, der nur noch bellen, nicht mehr beißen konnte, ihr Frühbrödchen zu, trat an ihn heran, nahm ſeinen rauhen Kopf in ihre Hände und drückte ihre Wange einmal gegen ihn. Dann ging ſie nach der Kirchhofmauer und winkte den Gräbern der Geſchwiſter den Abſchieds⸗ gruß zu.

Als ſie auf dem Rückwege an der Laube vorüber kam, trat ihr Gott⸗ fried entgegen und ſagte:laß mich hier dir Lebewohl ſagen, Eliſabeth! Er ſah ſehr blaß aus, und die Hand, die er ihr gab, war eiskalt.

Nache mir doch nicht mit Gewalt das Herz noch ſchwerer, antwortete ſie; ich komme ja aus dem Abſchiednehmen nicht heraus. Laß es doch in Einem hingehen, lieber Gottfried!

Stumm ging er an ihrer Seite denn ſie war nicht ſtehen geblieben. Mild und lieblich bat ſie nach einer Weile:ſorge gut für die Eltern! Er gab keine Antwort, ſondern fragte nach einer Pauſe gepreßt:wirſt du oft ſchreiben?So oft ich kann!Wird auch ein Gruß in deinen Briefen ſein für mich?Tauſend für einen! verſicherte ſte.Aber