Jahrgang 
2 (1859)
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Von Eliſe Polko. 11

bringen. Dabei ſchien ſie aber in der letzten Zeit häufiger denn je mit ihren fernen Freunden zu korreſpondiren, und die eigenthümliche, halb frohe, halb ſorgenvolle Art, mit der ſie zuweilen ihre Tochter anblickte, gab dem ruhig beobachtenden Kandidaten viel zu denken.

Da kam eines Tages, niemand ſchien ſich deſſen zu verſehen, Beſuch ins ſtille Pfarrhaus, nämlich ein entfernter Verwandter der Paſtorin. Herr von Pleſſow, der Direktor der Malerakademie in F., war auf einer Bade⸗ reiſe begriffen und ſprach für wenige Stunden in M. ein, um dieliebe Couſtne zu begrüßen. Beide hatten einander ſo viel zu fragen, ſich ſo vieler Dinge und Perſonen zu erinnern, daß es beinahe nicht dazu gekommen wäre, Eliſabeths Skizzenbuch zu durchblättern, nach welchem derHerr Couſin doch ſogleich gefragt. Der ältliche freundliche Herr fand ſehr viel Wohlgefallen an den artigen Bilderchen, noch größeres aber an der Zeichnerin ſelber und ſagte endlich, im Beiſein des Paſtors, ſehr ernſthaft: ich möchte dich wohl mit nach F. nehmen, Eliſabeth, wenn ich aus dem Bade komme, aus dir kann eine tüchtige Malerin werden. Ueberlege dir die Sache und ſchreibe mir nach T., wenn du willſt, daß ich dich abholen ſoll. Ein halbes Jahr lang unter einem tüchtigen Lehrer und du würdeſt Tuͤchtiges leiſten!

Ein Wort zu guter oder böſer Stunde iſt ein Samenkorn, und der Wind weht es ſelten auf einen ſteinigen Boden. Es fällt in warmes Erd⸗ reich es ſchießt auf gepflegt in ſtillen Nächten, getränkt von heim⸗ lichen Thränen, und wächst empor oft eine üppige Giftpflanze oft ein Roſenſtrauch voll Dornen und ſüßen Knospen, oft eineblaue Blume, dieſe märchenhafte Bluͤthe, die demjenigen, der ſie einmal erblickt, nie zu ſtillende Sehnſucht bringt.

Die Worte des Direktors aus F. ließen in dem Herzen des jungen Mädchens jene blaue Blume erwachſen. Eine leiſe Sehnſucht beſchlich ſie urplötzlich nach einem Etwas, was ſie nicht hatte. Sie vermochte ſelbſt mit ihrer Mutter nicht darüber zu reden ſie ſaß in tiefen Gedanken vor ihrem Zeichenbrettchen, keine ihrer kleinen Schöpfungen wollte ihr mehr gefallen und es geſchah ihr nicht ſelten, daß ſie mitten im Zeichnen un⸗ luſtig den Stift von ſich warf und das angefangene Blatt zerriß. Es begab ſich auch, daß ſie in der Nacht erwachte und lange, lange ſchlaflos dalag und mit ihren Gedanken weit wegflog über den Garten des Pfarrhauſes weit über Hügel und Wälder fortwohin ach wohin? Nur