Jahrgang 
2 (1859)
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8 Eliſabeth.

zurück, die ſie noch immer wie in ihrer Kinderzeit um den Kopf geſchlungen trug und die ſich vom raſchen Gange etwas auf die Stirn geſenkt hatten. Ohne die Aufforderung der Mutter in Betreff des Kaffees und Kuchens zu beachten, rollte ſie ein größeres Papierblatt auf.Gottfried ſoll's zuerſt ſehn! Bitte, komm hieher, da iſt das beſte Licht.

Ihre dunkeln Augen lachten ihn an; Gottfried war im Augenblick an ihrer Seite, etwas linkiſch zwar und befangen wie immer, aber ſo ſchnell als möglich. Kaum hatte er aber einen Blick auf die Zeichnung geworfen, als er blaß wurde und ängſtlich flüſterte:zeige das jetzt nicht nur heute nicht! Sie ſah ihn erſtaunt an, rollte dann langſam das Blatt zu⸗ ſammen und legte es bei Seite.

Nun? Wirſt du mir dein Meiſterwerk diesmal vorenthalten wollen? fragte der Paſtor.Es iſt noch nicht ganz fertig.Gib her, ich will es ſehn, ob fertig oder nicht! ſagte der Vater heftig. Eliſabeth zögerte. Die Mutter ſetzte ängſtlich die Taſſe aus den Händen. Einem Befehl des Vaters ungehorſam zu ſein, das hatte die Tochter noch nie ge⸗ wagt. Das Mädchen ſtreckte auch jetzt langſam die Hand aus, um das ver⸗ hängnißvolle Blatt zu ergreifen. Allein Gottfried kam ihr zuvor. Schnell wie ein Blitz hatte er das Papier aufgenommen und in viele kleine Stücke zerriſſen, die jetzt der Wind nach allen Seiten davontrug.

Dieſe ungewöhnliche Handlung und raſche That eines ſonſt ſo ſcheuen ſtillen Mannes machte in dem kleinen Kreiſe einen verſchiedenen Eindruck. Das Geſicht des Paſtors wurde ſehr roth.Was fällt dir ein, Neffe, rief er.Haſt du nicht gehört, daß ich die Zeichnung ſehen wollte? Sie war aber nicht des Anſehens werth! lautete die ruhige Antwort. Nun, das wäre doch die erſte ſchlechte Zeichnung, die Eliſabeth gemacht! ſagte die Mutter ſehr gereizt.Sie war auch nicht ſchlecht! murmelte jetzt das junge Mädchen und warf dem Vetter einen trotzigen Blick zu.Du hatteſt kein Recht ſie zu zerreißen.Du wirſt eine beſſere Zeichnung machen, Eliſabeth! antwortete er begütigend.O gewiß nicht! In meinem ganzen Leben habe ich noch neimals mit ſolcher Luſt gezeichnet wie diesmal.

Und was war's, was dich ſo gefangen nahm? fragte der Vater und ſtreckte den Arm aus, um die Tochter näher zu ſich hinzuziehen. Die Zuver⸗ ſicht des verzogenen Kindes erwachte wieder in Eliſabeth. Sie näherte ſich dem Vater, legte ihre Hand auf ſeine Schulter und ſagte mit heiterem