Jahrgang 
2 (1859)
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Von Cliſe Polko. 7

verblühen. Wie das freilich zu verhindern ſei, überließ die Paſtorin zu⸗ nächſt einigen Jugendfreunden, mit denen ſie noch korreſpondirte, und der Zeit. Das Kind war ja noch ſo jung!

Eben trat der Kandidat in die Laube.Haben Sie Eliſabeth nicht geſehen? fragte die Paſtorin. Sie nannte vorſätzlich den Neffen ihres Mannes trotz aller EinredenSie.Sie war nicht in der Kirche! antwortete der junge Mann und zog einen Holzſtuhl an die Seite ſeines Onkels.Soll ich mich nach ihr umſehn?O nein! Das große Kind geht nicht mehr verloren es iſt mir nur um den Kaffee zu thun. Er wird kalt.

War unſer Gotteshaus voll? fragte der Paſtor.Nicht ſonder⸗ lich. Ein Dutzend alter Frauen, kaum eine Handvoll Männer, ein paar Wöchnerinnen, die den erſten Kirchgang hielten das war alles. Das Volk wird der Prozeſſion nachgezogen ſein. Heut haben ſie wieder da drüben ſo etwas. Ich weiß nicht, was für ein Feſt iſt! Wollte nur die Linde endlich einmal gruͤn und voll werden, damit ich doch nicht auch von hier aus die Kirchthurmſpitze ſähe! Nicht genug, daß mir dieſe Nachbarſchaft die Pfarre verleidet und die Gemeinde verdirbt ſie ver⸗ kuümmert mir ſogar meinen harmloſen Platz in der Laube. Gottfried ſah ſchweigend in ſeine Taſſe.

Ich begreife nicht, daß du dich nicht mehr über deine leere Kirche ärgerſt, fuhr der Paſtor fort.Aber das ſoll und muß aufhören! Morgen in der Betſtunde werde ich ein ſtrenges Verbot erlaſſen. Wer ſich unter⸗ ſteht.Da iſt Eliſabeth! rief die Mutter mit froher Stimme dazwiſchen.

Den gelben Kiesweg herab, der zur Laube führte, kam ſchnellen Schritts ein junges Mädchen in einem hellen Sommerkleide. Ein kleines Tuch von dunkelblauer Farbe hing ihr über dem Arm, den runden gelben Strohhut hatte ſie abgenommen. Ein ſchönes, etwas ſonnenverbranntes Geſicht lachte allen einen Willkommen zu.Wo warſt du ſo lange? rief ihr der Vater in einem gereizten Tone entgegen; das abgebrochene Geſpräch hatte ihn verſtimmt.

Gleich zeige ich dir's, antwortete ſie geheimnißvoll und fröhlich zu⸗ gleich. Dann befreite ſie ihre Hände von der Laſt von verſchiedenen Dingen, die ſie auf den Tiſch legte Blumen, Papierblätter, ein Buch, Zeichen⸗ ſtifte, Hut und Tuch. Jetzt erſt ſchob ſie die ſchweren braunen Flechten

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