Jahrgang 
2 (1859)
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Eliſabeth.

kleine Särge ſtanden zu verſchiedenen Zeiten in der Gartenſtube. Da gab es Leid genug und Thränen, und in dieſem Jammer näherten ſich denn auch die Herzen der Gatten mehr als ſie es je in der Freude gethan.

Ein einziges, das jüngſte Kind, wurde groß, es zählte jetzt volle 17 Jahre und führte den Namen Eliſabeth. Der Paſtor hatte zwar An⸗ fangs viel gegen dieſen Namen, er klang ihm zu katholiſch, aber er war doch im Laufe der Zeit etwas nachgiebiger geworden gegen die Wuünſche ſei⸗ ner Frau, und ſo wurde die Kleine endlich nach ihrer verſtorbenen Groß⸗ mutter mütterlicherſeits Eliſabeth getauft. Das Mädchen wuchs auf, nicht nur als ein einziges, ſondern auch als ein allein übrig gebliebenes Kind bewacht und gehütet Tag und Nacht. Sie war beider Eltern Abgott, obgleich immer der Vater die Mutter und dieſe wiedet den Vater beſchul⸗ digte, der kleinen Eliſabeth zu viel Willen zu laſſen. Jedes bewachte heim⸗ lich das Andere und freute ſich über jeden ſogenanntenStreich in Betreff der Verwöhnung des Kindes, um ihn zu notiren und gelegentlich bei irgend einem Angriff als Vertheidigungswaffe zu gebrauchen.

So pflegte der Paſtor als größten Beweis einer mütterlichen Schwäche zu erzählen, daß ſeine Frau lächelnd zugeſehen, wie die Kleine ein Paſtell⸗ bildchen die ſchöne Armgard im Coſtüͤm einer Schäferin darſtellend ſo lange mit einem feuchten Schwamme bearbeitet, bis von den Farben keine Spur mehr vorhanden. Die Paſtorin entſchuldigte ſich zwar damit, daß Eliſabeth eben die Maſern gehabt und der Arzt ihr befohlen, das Kind weder zu reizen, noch zum Weinen zu bringen, ihr Mann lachte aber immer etwas ſpöttiſch dazu. Als Gottfried Berger ſpäter ins Haus zog, hatte ihm jedoch die Paͤſtorin am erſten Abend gleich ſo viele Anekdoten von um⸗

geworfenen Dintenfäſſern und zerriſſenen Predigten vorgetragen, fuͤr welche

Verbrechen das Töthterchen völlig ſtraflos davon gekommen ſei, daß dem jungen Kandidaten der Kopf ſchwindelte.

Mit jedem Jahre geſtalteten ſich die Träume der Paſtorin in Bezug auf des Kindes Zukunft farbenreicher. Tauſend Hoffnungen hingen an dieſem julgendlichen Haupt. Sie verbarg aber dergleichen auf Goldgrund gemalte Bilder ſehr ſorgfältig vor den Augen ihres Mannes. Durch Eliſa⸗ beth ſollte ja ein neuer Tag kommen, der Tochter wünſchte ſie jenes reiche Leben, das ſie ſelbſt einſt gelebt, in der Tochter Gluck gedachte ſie ſich zu ſonnen. Eliſabeth ſollte keine Dorfpaſtorin werden, ſie wenigſtens durfte nicht in dieſer Einſamkeit zwiſchen Rüben, Kartoffeln und Kornfeldern