Jahrgang 
2 (1859)
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Von Eliſe Polko. 5

Der alte Paſtor ſaß in einem bequemen Seſſel, den rechten etwas gich⸗ tiſchen Fuß auf einer kleinen gepolſterten Bank xuhen laſſend. Es war ein hübſch geſchnittener Kopf, von ſchlichtem grauem Haar umgeben, einige Härten um Mund und Augen und eine eiſerne Stirn. Die Paſtorin war einſt ſchön geweſen, der bitterſte Nachruhm für eine Frau, und ſehr verwöhnt, als einziges Kind eines reichen Kaufmanns. Ihr Vater machte einen böſen Bankerott und erſchoß ſich nachher; die Mutter ſtarb vor Schreck und Gram, und die kaum zwanzigjährige Armgard war froh, eine Gouver⸗ nantenſtelle in einem gräflichen Hauſe zu erhalten.

Dort umgab ſie doch wenigſtens jener gewohnte Glanz und Comfort, den ſie alleinLeben nannte. Die Unlenkſamkeit ihrer Zöglinge, die Zudringlichkeit des Herrn Grafen, und die Eiferſucht der launenhaften Gräfin machten ihr aber im Faufe der Zeit das Daſein im Hauſeeſo ſchwer, daß ſie den Heirathsantrag des Gutspaſtors annahm, der jeden Abend mit den gräflichen Herrſchaften Whiſt zu ſpielen pflegte. Gleich nach der Hochzeit erhielt Muller die Pfarſtelle in M., um die er ſich insgeheim ſchon lange beworben, und ſiedelte mit ſeiner jungen Frau dahin über.

Ihre Ehe war, wie tauſend Ehen, wo eben beide Theile nur an das denken, was ſie dem Andern gegeben, nie an das, was ſie empfangen. Armgard fühlte ſich noch als die einzige gefeierte Tochter des reichen Ban⸗ kiers. Eberhard Müller fand es höchſt anerkennenswerth, daß ein wohl⸗ ſituirter Paſtor eine arme Gouvernante vom Flecke weg zur Frau Paſtorin erhoben. Die junge Frau verſuchte anfangs das ſchlichte Pfarrhaus umzu⸗ modeln in Erinnerung früherer Zeiten. Wunderlicher Flittertand wurde hie und da aufgeſtellt, der in keinem Zuſammenhange ſtand mit der übrigen Einrichtung; ſie ſelbſt trug ſich ziemlich auffallend und ſchleifte die ſeidenen Kleider, die Ueberreſte beſſerer Tage, zum Staunen der Gemeinde durch das Dorf. Wer hätte ſich getraut an ſſolche vornehme Paſtorsfrau ein fragendes oder bittendes Wort zu richten! Eine Weile ſchaute der Paſtor anſcheinend geduldig zu. Als aber das erſte Kind da war und das Tauffeſt vorüber, gab es einmal eine ernſte Seene im Pfarrhauſe. Acht Tage lang ſah die Magd die Paſtorin mit verweinten Augen herumgehen nachher verſchwand ein Zierrath nach dem andern, der Flitterputz dazu, ſtatt der langen ſeidenen, trug ſie jetzt kattunene oder wollene Kleider ohne Schleppen, und an die Stelle der dünnen Zeugſtiefelchen traten derbe Lederſchuhe. Fünf Kinder wurden im Laufe der Jahre im Pfarrhauſe geboren und vier

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