Jahrgang 
2 (1859)
Einzelbild herunterladen

4

Eliſabeth.

wohl der Herr nur ingrauen Zeiten Schwefel und Pech vom Himmel regnen ließ natuͤrlich auf jene, ſo es verdienten!

Als der Herr Paſtor älter und in Folge des ewigen Zuges und vielen Scheuerns gar ſehr von der Gicht geplagt wurde, bewilligte man ihm auf ſeine Bitte einen jungen Helfer, den ey zu ſich ins Ha 1s nahm. Gottfried Berger, ein Theologe wie ihn empffdſame Seelen malen, nämlichJo⸗ hannesartig mit blauen Augen unß blondem Haax, war der hinterlaſſene Sohn der verſtorbenen Schweſter des Paſtors; er verſtand ſich trefflich in Onkel und Tante zu finden, und es wurde balp ein Lieblingsgedanke des Kränkelnden, ſich dieſen Neffen als Nachfolger und Schwiegerſohn der⸗ maleinſt in M. zu denken. Hatte er auch zur Zeit an dem jungen Manne noch einiges auszuſetzen, daß er z. B. den Pfarrherrn von N. viel zu freundlich gruͤßte, guch ſeine/Spaziergänge in jener von ihm ſtets vermie⸗ denen Richtung machte und dergl. mehr, ſo hoffte er ihn doch durch ſeine unausgeſetzten Ermahnungen auch in dieſer Hinſicht auf denallein rich⸗ tigen Weg zu leiten. 7

Die Nachmittagspredigt in der M. ſchen Kirche war vorüber. Der junge Berger, der ſie gehalten, ging eben langſam uber den Kirchhof weg nach dem Pfarrhauſe. Einige alte Frauen verloren ſich, die Geſangbücher in den Händen, zwiſchen den Gräbern, die Männer ſchritten grüßend an ihm vorüber. Kinder liefen ihm entgegen und boten ihm große Sträuße von Hollunder und Goldregen. Freundlich dankend nahm er ſie und druͤckte ſein Geſicht tief in die Blumen. Als er in den Hausflur trat, ſagte ihm die Magd, daß ihn der Herr Paſtor bitten laſſe, in die Laube zu kommen, der Kaffeetiſch ſei allda aufgeſtellt. Er nickte und ging. hinauf in ſeine Stube, ſich umzukleiden.

Die Laube lag auf einer Anhöhe an dem äußerſten Ende des langen Gartens. Im Sommer war ſte recht dicht, faſt kühl, denn die große Linde, die davor ſtand, ſtritt ſich tagtäglich mit den Sonnenſtrahlen herum, denen ſie durchaus den Eintritt wehren wollte. Jetzt hingen nur einige grüne friſche Ranken loſe über das Gitterwerk, und die Linde ſelbſt ſtand da mit ihren jungen Blättern wie unter einem durchſichtigen grünen Schleier, zit⸗ terte in der Frühlingsſonne und dachte noch nicht daran Schatten zu geben. Auf die gelbliche Damaſtſerviette auf dem Tiſch ſielen helle Lichter und zuck⸗ ten hin und her.