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Von Eliſe Polko. 3
gleich in einem Salon als Nippes aufſtellen mögen, blühten die ſchönſten Blumen in jeder Blumenzeit, der wohleingerichtete Küchengarten war ver⸗ ſteckt hinter uͤppigem Strauchwerk, und in dem Hof und Hühnerſtall ſich umzuſehen, war eine Luſt, ſowie das Taubenhaus einem hübſchen Pavillon gleichſah.— Die freundliche alte Schweſter des Pfarrherrn trug zwar nur Kattunkleider und weiße, eng anſchließende Hauben, ſie ſah aber doch allezeit aus, wie die Leute im Dorfe meinten, wie eine„Weihnachtspuppe“.
Daß ſich„die Herren Collegen“ von M. und N. niemals anders als
mit einem ſehr ſteifen Kopfnicken grußten, und die Frau Paſtorin und die „alte Mamſell“ gar nicht, verſtand ſich von ſelbſt. Die M.ſche Pfarre war ausgezeichnet, aber der„Herr Paſtor“ ſagte oft zu ſeiner Frau, daß er mit der Hälfte der Einnahmen zufrieden ſein würde, wenn er die Katholiken nicht zu Nachbarn hätte.— Er war ſonſt, wenigſtens in ſeiner eigenen Meinung, äußerſt„tolerant,“ nur gegen die„Katholiken“ und gegen die „Juden“ ſpürte er eine kleine Abneigung, ähnlich jener, die er empfand, wenn ihm ſeine Frau einmal gelbe Rüben auf den Tiſch brachte.— Wäre N. zehn Meilen von M. belegen geweſen, keinen katholikenfreundlicheren Mann hätte man ſich denken können als den Paſtor Müller. So aber kaufte man im Pfarrhauſe zu M. keiner Bäuerin aus N. etwas ab, auf ſtrengen Befehl des Hausherrn, was der Paſtorin oft ſchwer genug wurde, und jeder kleine Liebeshandel zwiſchen einem M.ſchen und N.ſchen Pfarrkinde wurde um ſo ſtrenger vom Paſtor gerügt, als der katholiſche Pfarrherr gegen der⸗ gleichen„Verirrungen“, wie er dieſe Verhältniſſe mit ſeinem feinen Lächeln zu nennen pflegte, ziemlich nachſichtig war./
Der Herr Paſtor richtete ſogar ſeine Spaziergänge nie nach der Seite von N., weil er es nicht ertragen konnte, an Marienbildern, Kreuzen und Heiligen vorbeizupaſſtren. Sein ſteter Kummer war, daß die Poſt, die damals von Köln nach Frankfurt ging, zuerſt durch N. kommen und an⸗ halten mußte, während der Pfarrherr von N. ohne Neid es geſchehen ließ, daß der Schwager auf dem Rückwege ſeine Pferde in M. fütterte. Weder gemeinſames Glück, nämlich reiche Ernten, noch’ gemeinſames Unglüͤck, Mißwachs oder Hagelſchaden, noch die alles gleichmachende Zeit vermochten hier die Verhältniſſe zu ändern, und bewahrte man auch nach außen hin einen gewiſſen Schein von Verträglichkeit, predigte man auch von den Kan⸗ zeln gewiſſenhaft das„liebet eure Feinde,“ ſo hatte wenigſtens der Herr Paſtor ſeine„grillenhaften Stunden,“ in denen er darüber nachſann, warum
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