Von Karl Pfaff. 479
Augenarzt vor, im Jahr 1413 der erſte Stadtarzt und 1502 der erſte Stadtwundarzt. Bisweilen berief man bei ſchweren Krankheiten, vornäm⸗ lich beim Ausſatz, auch fremde Aerzte. Leute, die mit der fallenden Sucht behaftet waren, wurden nach Ruffach geſchickt, um hier in der Kapelle des heiligen Valentins ihre Andacht zu verrichten, weil man dies füͤr ſehr wirk⸗ ſam zur Heilung dieſer Krankheit hielt, die deßwegen auch„der ſchwere Siechtag des heiligen Valentins“ hieß. Im vierzehnten Jahrhundert wird auch der erſte Apotheker angeführt, und im Jahr 1515 ſtellte die Stadt „aus bewegenden Urſachen“ einen zweiten an. Fünf Jahre früher erſchien zu Eßlingen die erſte Apotheker⸗Ordnung, welche in ſechs Abſchnitten von Kräutern, Samen, Blüthen und Blumen, Thieren und zuſammengeſetzten Arzneien handelt. Unter den Heilmitteln in ihr kommen vor Lungen und Lebern von Wölfen, Unſchlitt von Hirſchen und Böcken, Schmalz von Füchſen, Dachſen und Bären, Theriak von Venedig und Alexandria, Man⸗ deln, Maſtix, Rhabarber, Moſchuspillen, Kraftküchlein, Euphorbien⸗ und Suſam⸗Oel,„köſtliche Species“ von Perlen, Edelſteinen, Biſam und Ambra. Wenn anſteckende Krankheiten herrſchten, ließ der Rath beſondere „Ordnungen der ſterbenden Läufe wegen“ bekannt machen und trug por⸗ nämlich Sorge für gute Reinigung der Straßen und öffentlichen Plätze. Denn obgleich dieſe damals ſchon größtentheils gepflaſtert waren, ſo herrſchte doch gewöhnlich wenig Reinlichkeit darin, weil man allen Unrath darauf ſchüttete und vor wie neben den Häuſern die Dungſtätten ihren Platz fanden.
Auch in Eßlingen äußerte ſich der religiöſe Geiſt des Mittelalters nicht nur durch reichliche Schenkungen an Kirchen und Klöſter, ſondern auch durch Gründung und Begabung verſchiedener Wohlthätigkeits⸗Anſtalten. Schon in der erſten Hälfte des dreizehnten Jahrhunderts wurde ein Spital geſtiftet, welcher durch fortwährende Schenkungen bald zu anſehnlichen Guͤ⸗ tern und Einkünften gelangte. Er hatte, wie andere Anſtalten dieſer Art, einen geiſtlichen Zuſchnitt. Die Brüder und Schweſtern des Spitals ſtanden unter einem Meiſter und einer Meiſterin, im Jahr 1247 erhielten ſie die Ordensregel des heiligen Auguſtinus und am 6. Junius 1318 die Erlaub⸗ niß, auf ihrem Oberkleid daſſelbe Zeichen zu tragen wie die Brüder des Spitals auf dem Berge Sinai, wo die Gebeine der heiligen Katharina, der Schutzheiligen des Spitals, ruhten, ein Rad mit rothen Speichen und fünf ſchwarzen Punkten. Seine andern Bewohner, die Pfründner und Pfründ⸗ nerinnen, waren ſolche, die ſich, um für ihr Alter einen ruhigen Aufent⸗


