Jahrgang 
1 (1859)
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480 Die Reichsſtadt Eßlingen zu Ende des Mittelalters. Von Karl Pfaff.

haltsort zu erhalten, eingekauft hatten, oder ſte wurden umſonſt aufgenom⸗ men. Die erſtern genoſſen mancherlei Vortheile, die andern aber ſtanden unter einer ſtrengen Zucht und durften ohne Erlaubniß des Meiſters oder der Meiſterin nicht aus dem Spital gehen. Einige beſonderewohlgeord⸗ nete und gebaute Gemächer darin waren zum Aufenthalt für Geiſteskranke beſtimmt. In dem Siechenhaus wurden einheimiſche und fremde Kranke, in dem Sonderſiechenhaus nur Ausſätzige aufgenommen. Im fünfzehnten Jahrhundert beſtand auch ein Funden⸗(Findel⸗)Kinderhaus, und als zu Ende dieſes Jahrhunderts dieSeuche der böſen Blattern nebſt andern hinvor unerhörten Krankheiten ſich auch in Eßlingen verbreitete, wurde zur Aufnahme ſolcher Kranken dasWarzen⸗ oder Franzoſenhaus einge⸗ richtet und ein eigener Arzt dabei angeſtellt.

Eine lateiniſche Schule beſtand in der Stadt ſchon im Jahr 1276, und 1326 wurde auch eineKinderſchule errichtet. Von dem Beſtehen einer Meiſterſängerſchule ſind nur ganz durftige Nachrichten vorhanden. Unter den ſchwäbiſchen Städten aber war Eßlingen eine der erſten, welche eine Buchdruckerei erhielt. Schon ums Jahr 1470 kam Konrad Fyner von Gerhauſen hieher, welcher in der Geſchichte der Buchdruckerkunſt dadurch bekannt iſt, daß er zuerſt(1475) mit hebräiſcher Schrift druckte. Als er 1478 nach Urach zog, ließ ſich Johann Hug von Göppingen als Buchdrucker hier nieder.