174 Die Reichsſtadt Eßlingen zu Ende des Mittelalters.
klößen) und Schweinfleiſch. Im Spätjahr ſchlachtete jede, nur einigermaßen wohlhabende Familie ein Schwein, deſſen Fleiſch man räucherte und Wurſte daraus machte, und die dann übliche„Metzelſuppe“ war immer ein kleines Familienfeſt. Auch durfte am Tage des heiligen Martins auf keinem Tiſche die„Märtesgans“ fehlen. Neben dem Fleiſch von Schweinen und Gänſen wurde das von Ochſen und Kälbern, von Hühnern und Tauben am häu⸗ figſten geſpeist. Auch an Wildbret war kein Mangel, und Fiſche, welche zur Faſtenzeit die Hauptnahrung ausmachten, lieferten nebſt den fließenden Gewäſſern die vielen Weiher und Seeen im Ueberfluß, wozu dann von Seefiſchen noch vornämlich Häringe kamen. Für beſondere Tage hatte man gewöhnlich auch beſondere Speiſen; am Gründonnerſtag„grünes Kraut mit Fleiſch,“ am Charfreitag„eine Brühe mit Eſſig ohne Schmalz, durchgetrie⸗ bene ungeſchmälzte Erbſen mit Gewürz und Häringen,“ am Oſterſonntag eine ſuͤße Mehlſpeiſe, das ſogenannte Geſegnete, Eier und Oſterfladen. Der Nachtiſch beſtand gewöhnlich aus Obſt und Käſe, bei Feſtmahlen auch aus Citronen, Orangen, Feigen und Kaſtanien. Von Backwerk hatte man verſchiedene Arten von Kuchen, Hippen(ein dünnes Gebäcke) und Buben⸗ ſchenkel(eine Art Bretzeln). An der Faſtnacht wurden Faſtnachttküchlein, an Weihnachten und am Neujahr Leb⸗(Pfeffer⸗) und Kemmich⸗(Kümmel⸗) Kuchen gebacken. Inländiſche Gewürze waren Zwiebeln, welche man in Cß⸗ lingen beſonders häufig pflanzte, woher auch der alte Spottname ſeiner Bewohner„Eßlinger Zwiebel“ rührt, Senf, Anis, Fenchel, Körbel, Salbei, Peterſilie und Lauch, von ausländiſchen brauchte man Zimmt, Imwer, Gewürznägelein, Muskat⸗Nüſſe und Blüthen, am häufigſten aber Peffer. Die Stelle des Zuckers vertraten gewöhnlich Honig und Safran. Das Frühſtück beſtand aus einer Weinſuppe, auf die Mittagsmahlzeit um 10Uhr Vormittags folgte ein„Untertrunk“ und um 4 oder 5 Uhr Nachmittass das Abendeſſen, hierauf dann noch zum guten Schluſſe Nachts ein Schlaftrunk.
Das Domkapitel zu Speier, welchem das Patronatrecht und da Zehn⸗ ten in Eßlingen gehörten, gab alljährlich zweimal den ſtädtiſchen Beamten und Dienern in ſeinem„Zehenthof“ eine Mahlzeit, zu welcher goße Vor⸗ bereitungen gemacht wurden. Der Bäcker erhielt Roggen⸗, Dilkel⸗ und Weizenmehl in Menge, um gewöhnliches und„Schnitt⸗Brod“ Buben⸗ ſchenkel und Wecken(von dieſen gewöhnlich 450) zu backen; es wurden 120 Pfund Rindfleiſch, etliche Kälber und Schweine, 72 Hüher und Ka⸗ paunen, Rindsfüße zu den Sulzen und 60 Pfund Wildbret, Euter und


