Jahrgang 
1 (1859)
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Von Edmund Heoefer. 11*

hatte ſich in allen Ständen ein ſo unbegrenzes Vertrauen, ſolche Liebe und Ehrfurcht erworben, man hatte ihn mit ſolchem Stolz den Seinen genannt, daß man ſich nun, nach ſeinem Tode, in Stadt und Land wie verwaist vorkam und von allen Seiten nach einem Erſatz verlangte. Man fand dieſen in dem Sohn, der denſelben Namen fuͤhrte, welchen man ſeit langem als Inbegriff aller Ehre und Würde zu nennen gelernt, der alle Tuchtigkeit und Ehrenhaftigkeit des Vaters geerbt zu haben ſchien und in ſeiner bis⸗ herigen Stellung ſich bereits ein hohes Anſehn erworben hatte. Seine Ernennung zum Vicepräſidenten des väterlichen Gerichtshofes befriedigte daher die Wünſche des geſammten Landes; ſte erfreute aber auch die ver⸗ wittwete Mutter, welche einen ſolchen Sohn in der Nähe zu haben ſich ſehnte, und ſie beglückte endlich Moritz ſelbſt, ſoweit das bei ſeinem Cha⸗ rakter möglich. Der ernſte Mann hing an ſeiner eigentlichen Heimat mit wahrhaft warmer und inniger Neigung.

Er trat nun das Erbe des Vaters an, im Amt, im Anſehn und auch im wirklichen reellen, weltlichen Beſitz. Letzterer beſchränkte ſich, wie ſein Vater es vorausgeſagt und wie er ſelber längſt wußte, allerdings faſt nur auf das ſtattliche Wohnhaus und die gediegene Einrichtung deſſelben. Aber dies genügte dem einfach gebliebenen Mann vollkommen, und zwar auch dann noch, als er nach Jahresfriſt heirathete und bald eine große Familie bekam. Das Haus war geräumig genug.

In der Stellung zu in dem Verkehr mit ſeiner Stiefmutter, welche nebſt ihrer Tochter nach Lindow gezogen war, änderte dieſe Ehe nichts, es müßte denn ſein, daß beides noch herzlicher und vertraulicher geworden wäre. Die Präſidentin lernte an Moritz immer neue Eigenſchaften achten, faßte ein immer feſteres Vertrauen zu ihm, fand, wie ſie wähnte, immer weniger an ihm zu bekämpfen, da ſeine Härten ihr einerſeits nicht härter geworden zu ſein ſchienen, und ſie andrerſeits es auch füͤr unmöglich hielt, da noch zu ändern und zu beſſern, wo der urſprünglich in der Erziehung begründete Fehler jetzt zu einem wirklichen Theil des Weſens und zu einem Grundzuge des Charakters geworden war. Und Moritz geſtand ſich von Tag zu Tage ſtets williger und überzeugter ein, was er ſchon früher er⸗ kannt, daß er noch keiner Frau begegnet ſei, welche an Kraft und Tuͤchtig⸗ keit, an Adel des Geiſtes und des Herzens und an Würde des Benehmens und ganzen Lebens ſeine Stiefmutter übertreffe. Er wandte ihr eine kind⸗ lich ehrfürchtige und herzliche Liebe zu, wie er ſie einer rechten Mutter gar