Jahrgang 
1 (1859)
Einzelbild herunterladen

Von Edmund Heefer. 7

der Körper lebt und ſo lange ich das abzuwenden vermag, nicht in Abnahme kommen, nicht getrübt werden. Ein Menſch, der das zuläßt, iſt entweder ſchon ſtumpf oder begeht eine Suͤnde, die ich nicht zu verantworten, zu tragen wüßte.

Dies, mein Sohn, iſt im Allgemeinen der Gang meiner Gedanken, der mich endlich zu der Ueberzeugung führte, daß und auf welche Weiſe ich mir helfen müßte. Damit war denn auch das Weſen gefunden, dem ich meine Zukunft mit Ruhe und Zufriedenheit anvertrauen konnte, und dem. ich ſeit langer Zeit bereits eine große Achtung und herzliche Neigung zuge⸗

wandt hatte. Denn Gott ſoll mich behüten, daß ich zur Wahl einer Lebens⸗

gefährtin nur aus jenen vorhin angeführten perſönlichen und äußerlichen Beweggründen ſchritte, ohne daß zugleich auch mein Herz für ſie ſpräche. Einer ſolchen Frivolität wirſt du mich am wenigſten für fähig halten.

Die Dame, die Dich als Deine zuküͤnftige Mutter herzlich grüßen läßt, iſt die Wittwe meines langjährigen Freundes und Collegen, des Grafen Sonneck. Eugenie iſt im Anfang der dreißiger Jahre und ſomit in einem Alter, welches, im Vergleich mit dem meinen, eine Ehe wenigſtens nicht als ein zu arges Mißverhältniß erſcheinen läßt. Sie hat überdiesaſchon bei ihrem erſten, gleichfalls um vieles ältern Mann bewieſen, daß ſte ein warmes treues Herz, ein tiefes Gemuͤth habe und hochſinnig genug ſei, um am Gatten nicht die Jahre zu berechnen. Ich kenne ſie faſt von ihrem erſten Lebensjahre an und habe ſte immer geachtet und geliebt, wie es eine ſo vor⸗ treffliche Tochter und Frau verdient.

Kinder hat ſie in ihrer erſten Ehe nicht erzielt; wie Gott der Herr in der unſern daruüber verfügen wird, vermag ich natürlich nicht zu ſagen, und huͤte mich wohl, mich daruͤber mit Erwartungen und Wuünſchen zu tragen, die etwa doch nicht erfuüͤllt werden. Für dich jedoch, mein Sohn, kann daraus weder in dem einen, noch in dem andern Fall eine Veränderung oder gar Beeinträchtigung erwachſen, ein Gedanke, der nicht wenig zu mei⸗ ner endlichen Entſchließung und zur völligen Beruhigung meines Gewiſſens beigetragen hat.

Wie Dir längſt bekannt, haſt Du von mir dereinſt kein Vermögen zu erwarten, denn in dem Hauſe, welches ich Dir hinterlaſſe, ſteckt kein irgend nennenswerthes Kapital. Von einem Zurücklegen war bei meinem Einkommen und meiner Stellung niemals die Rede, und ich mußte mich begnügen, Dir, und wenn ich weitere Kinder hätte, auch dieſen, eine ſtan⸗