Jahrgang 
1 (1859)
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G 4 2 6 Das Burgfräulein. auch für dich und deinen Lebensgang von Importance ſein dürften. Ich

hoffe jedoch zu Gott dem Herrn, daß dieſe Folgen für Dich nur gute ſein werden, wie ich ſte für mich ſelbſt erwarte.

Du erinnerſt Dich noch ohne Zweifel ſelber, mein Kind, und weißt es auch aus meinen Mittheilungen, in welcher innigen geiſtigen Gemein⸗ ſchaft ich mit Deiner ſeligen Mutter gelebt habe. Es begründete ſich das aber nicht allein auf ihre und meine Individualität, ſondern mindeſtens ebenſoviel auf eine Grundbedingung meiner Natur ich muß ein Weſen haben, an das ich mich geiſtig anſchließen kann, dem ich mich hingeben darf, wie ich bin, auf deſſen Theilnahme und Eingehn ich rechnen kann, von dem ich mir in jedem Augenblick bewußt bin, daß es mich und die Regungen meines Innern verſteht. Das iſt einmal nicht anders; ohne ein ſolches Weſen fühle ich mich einſamer, ärmer und glaube das nur, mein Sohn! haltloſer, als ich es beſchreiben kann. Ein Freund vermag das nicht oder nur in beſchränktem Maße zu gewähren, wohl aber ein Kind, wenn es ein ſo braves und verſtändiges iſt wie Du. Du, Morttz, haſt mir in Verbindung mit Deiner liebevollen Tante die Jahre ſeither einen großen Erſatz gewährt; ich habe von dieſer Seite aus betrachtet meinen Verluſt leichter ertragen können und die Vereinſamung, in der mich Deine ſelige Mutter ließ, nur ſelten in ihrer vollen Größe empfunden.

Nun biſt Du ſeit anderthalb Jahren fort, mein Kind; Dein Stu⸗ dium hält Dich noch auf längere Zeit fern und Deine Carriere mag Dich vielleicht für immer aus meiner Nähe bringen. Seit acht Monaten iſt auch Deine gute Tante ihrer ſeligen Schweſter gefolgt, mein Haus iſt ganz ein⸗ ſam geworden, und zu allem andern ſoll ich alter Mann die Vertretung deſſelben und die unvermeidliche Repräſentation der Geſellſchaft gegenuͤber allein aufrecht erhalten. Ein häusliches Leben iſt mir von jeher Bedürfniß geweſen; was ich in meinem Hauſe finden will und ſtets gefunden habe, kann mir die Welt und Geſellſchaft niemals bieten. Ich kann auch jetzt, in meinem ſechzigſten Jahre, nicht mehr eine neue und mir verhaßte Art von Leben beginnen; überdies ſind die meiſten Genoſſen meiner Jugend und die paar wirklichen Freunde, deren ich mich rühmen durfte, gleichfalls einer nach dem andern davongegangen. Ich fühle mich ſehr vereinſamt; ich fühle mich kränklich, müde, hypochonder werden, und das darf nicht ſein. Der Leib mag immerhin zu Grunde gehen; ich bin ein Chriſt und ſehe dem Wort, das mich davon ruft, mit Faſſung entgegen. Allein der Geiſt ſoll, ſo lange