4 Das Burgfräulein.
ſtand neben ihm nicht nur als heranreifender Sohn, ſondern auch als ein junger Freund, der faſt von allem erfuhr, an faſt allem theil nehmen durfte, was des Alten Herz und Kopf grade erfüllte.
Der Erfolg dieſer Erziehungsmethode entſprach den Hoffnungen des Präſidenten ziemlich vollſtändig. Als er, um Juriſt zu werden, zur Univerſttät ging, war Moritz im Grunde ein fertiger Menſch, deſſen Weſen und Charakter ſich mit den Jahren wohl noch befeſtigen, aber nicht mehr verändern konnte. Er war und wurde immer mehr ein Mann von Geiſt und Ehre, ein Mann, der wie ſein Vater, mit trefflichen Anlagen und großen Fähigkeiten eine eiſerne Ausdauer und die ſtrengſte Gewiſſenhaftigkeit verband, mit ſtetigem, niemals zögerndem Schritt durchs Leben ging. Und ſelbſt als er ſeinen Weg gemacht und auf den Poſten ſeines Vaters vorge⸗ rückt war, wußte ihm niemand einen andern Vorwurf zu machen, als daß er einerſeits einen gar zu großen Werth auf Alter und Reinheit ſeines Stammbaums, auf Ehre und Anſehn ſeiner Familie lege, und andrerſeits in den Forderungen, die er im Geſchäft und Leben an Andere ſtellte, nach denen er den Beamten und Menſchen beurtheilte, zu hart und ſtreng ſei. Er ſelbſt freilich genuͤgte den ſtrengſten und war gegen ſich und die Seinen am wenigſten nachſichtig.
Durch die geſchilderte Erziehungsweiſe und auf ſeinem alſo vorberei⸗ teten und durchgeführten Lebenswege, war Moritz aber auch fr ſich ſelbſt und für alle, welche ihm ſo oder ſo angehörten oder untergeben waren, ſchon in der Jugend ein ſtrenger Egoiſt und kühler Realiſt geweſen, der zuerſt ſtets nur auf Erfolg und Nutzen ſah und alles Ideelle, jede Forde⸗ rung des Herzens und Gefühls entweder gänzlich ablehnte oder doch durch⸗ aus in die zweite Reihe ſchob. Von Jugend auf war er ſelbſtändig geweſen und auf die eigene Kraft angewieſen; er war ſich ſeiner ſelbſt und ſeiner Fähigkeiten bewußt, er trat immer beſtimmt und zu Zeiten ſogar despotiſch auf und ließ einen Widerſtand gegen ſeine Autorität und Einſicht nie oder nur ſelten gelten, weil er ihn mit ſeiner Verſtandesſchärfe entweder für nichtig und ungerechtfertigt erkannte oder doch dafür zu erkennen glaubte, und weil er endlich ſpäter den unverbrüchlichen Gehorſam, den er ſelber den eigenen Vorgeſetzten erwies, im ſelben Maße von ſeinen Untergebenen verlangte. Das waren, wie bemerkt, Folgen ſeiner Erziehung, die der alte Präſident zwar ſicher nicht beabſichtigt und gewünſcht hatte, die aber als durchaus natuͤrlich, ja nothwendig in die Augen ſpringen. Es war daher
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