Jahrgang 
1 (1859)
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Von Edmund Hoefer. 3

niemals den hohen Stolz auf ſeinen Stammbaum, auf welchem nicht ein einziges Beiſpiel einer Mißheirath zu finden war und war, auch wie er, ohne alles Vermögen. Sie brachte ihm ſtatt deſſen einen Schatz an Schön⸗ heit und Ehre, an Liebe und Güte zu, und er fühlte ſich damit nicht nur reich, ſondern auch glücklich. Er hatte von ihr nur ein Kind, aber es war ein Knabe, wie das Herz eines Vaters ihn ſich nur wünſchen kann, ſo geſund zeigte er ſich, ſo kräftig und verſtändig, ſo ſchmuck und ſo hochbegabt. Und es war für den Präſidenten ein unbeſchreiblicher, erhebender Genuß, die Anlagen und die Fähigkeiten dieſes Kindes ſich nach und nach immer glänzender entwickeln zu ſehn, ſeine Erziehung zu regeln und zu überwachen und ihn in die Prinzipien unmerklich hineinwachſen zu laſſen, die ihm der Vater außer dem wieder gehobenen Anſehn ſeiner Familie und der makelloſen Reinheit ſeines Stammbaums, als einzige, aber in ſeinen Augen genügende, Erbſchaft mitzugeben im Stande war.

Von Reden, Beſtimmungen, Maßregeln war bei der Erziehung des Knaben er hieß Moritz wenig die Rede. Der Präſident hielt nichts davon. Er meinte, daß ein geordnetes häusliches Leben, das Beiſpiel der Eltern und anderer Hausgenoſſen viel beſſer und nachhaltiger wirke als alle mündlichen Lehren und Ermahnungen. Das Einzige, wozu er Moritz zu⸗ weilen, und zwar meiſtens auch wieder mehr nur durch den Ernſt und die Feſtigkeit ſeines Benehmens, als durch wirkliche befehlende Worte anhielt, war ein ſtrenger Gehorſam gegen ſeine Eltern und Lehrer, und eine ebenſo ſtrenge Conſequenz im Reden und Handeln. Bei dem einmal Begonnenen und Geſagten mußte man bis zum Ende bleiben.

Der Knabe gewöhnte ſich an Mäßigkeit und Frugalität; er wuchs heran in Abhärtungen aller Art, er wurde vom Vater bei jeder Gelegenheit auf das eigene Nachdenken, auf die eigene Kraft und Fähigkeit zuruͤckge⸗ wieſen. Er genoß überhaupt einer Freiheit und Selbſtändigkeit, wie ſie nur ſelten jungen Leuten dieſes Alters eingeräumt zu werden pflegt; er konnte thun und laſſen, was er wollte, aber er mußte ſich dann auch ſelber zu helfen wiſſen und durfte dabei nie ſeiner Ehre und ſeines Namens ver⸗ geſſen. Er wurde von früh auf nicht mehr wie ein Kind, ſondern wie ein denkender theilnehmender Menſch behandelt, der berechtigt war, ſich an den Leiden und Freuden ſeiner Eltern zu betheiligen, mit ihnen zu tragen, zu genießen. Und als er nach und nach heranwuchs und beſonders, ſeit er im vierzehnten Jahre die Mutter verloren, trat er dem Vater täglich näher,

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