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2 Das Burgfräulein.
auch mit ſeinem eigenen Fleiſch und Blut führen wollte, und verfolgte nun
auch, nachdem er ſeine traurige Erbſchaft angetreten, dieſe Laufbahn, da
er auf ihr wenigſtens ein Auskommen zu finden hoffte. Daß er mehr als
dieſes fand, verdankte er theils, wie geſagt, ſeinem Kopf und ſeiner Aus⸗
dauer, theils aber auch dem Glück. Der Herrſcher wurde durch Zufall auf f den jungen, ſtrebenden Mann aufmerkſam, zog ihn hervor, betraute ihn mit
einigen wichtigen Geſchäften und ließ ihn, der dieſelben auf das gewandteſte
und befriedigendſte zu Ende geführt, raſch von Stufe zu Stufe emporſteigen. Nach längerer Zeit hatte er ihm ſogar eine der erſten Stellen des Staats und in ſeiner nächſten Nähe zugedacht; Bernhard lehnte dieſelbe jedoch mit der Bitte ab, man möge ihn und ſeine Wirkſamkeit der alten Heimatspro⸗ vinz erhalten, wo er alle Zuſtände und Verhältniſſe auf das genauſte und ſeit frühſter Jugend kannte und am meiſten nützen zu können glaubte. Und ſomit wurde er zum Präſidenten des Gerichtshofes ernannt, wodurch er zwar zum erſten und bedeutendſten Mann dieſes geſammten Landestheils, aber auch zu einer Stellung erhoben wurde, welche außer der Ehre ihrem Beſitzer nur ſo wenig einbrachte, daß er ohne ſonſtiges Vermögen der damit verbundenen Repräſentation kaum zu genügen im Stande war.
Darum kümmerte der Freiherr ſich jedoch im geringſten nicht. Da er durch die Beſoldung und einen ihm perſönlich gewährten Zuſchuß nicht nur die Ausgaben für ſeine Familie, ſondern auch für jene ihm auferlegte Reprä⸗ ſentation nothdürftig gedeckt ſah, war ihm alles übrige gleichgültig. Nach Geld und Gut, das er in ſeiner Jugend entbehren gelernt, fragte er jetzt ſo wenig wie je und weder für ſich, noch für die Seinen. Die Ehre war der Magnet, an den ſich ſein ganzes Leben, Weſen und Sein aufs innigſte und feſteſte anhing, und der erſte Grundſatz des trefflichen Herrn war, daß mit ſolchem Kern ein Mann von Kopf und Herz, von Conſequenz und Willenskraft ſtets den Platz im Leben und der Geſellſchaft finden müſſe, der ihm ein ruhiges und befriedigendes Daſein und den ihm gebührenden Theil an den Glücksgütern dieſer Erde ſichern werde. Alles Weitere ſei überflüſſig und vom Uebel.
Darnach, wie ſchon bemerkt, war ſein eigenes Leben durchaus geregelt und daſſelbe legte zugleich für die Wahrheit dieſes Satzes den glänzendſten Beweis ab, denn der Präſident hatte ſich alles errungen, wornach er ge⸗ ſtrebt, worauf er Werth gelegt. Seine Gattin ſtammte, wie er ſelbſt, aus
iner der älteſten und edelſten Familien des Staats— Bernhard verbarg
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