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478 Aus der Vergangenheit.
Die Erwiderung auf den Antrag ſelbſt ſollte ſchriftlich erfolgen. Der Herzog lebte in guter Hoffnung. Endlich„ſo kommen drei alte Leute, haben vor ſich einen gehen, ſo roth und weiß gekleidet, der hatte einen großen Perga⸗ mentbrief mit einem großen Inſiegel in den Händen.“ Und darin war eine abſchlägliche Antwort enthalten. Das überreichte Geſchenk, 200 Reichs⸗ gulden, war für dieſen harten Schlag nur eine ſehr geringe Beruhigung. Alle weiteren Schritte blieben fruchtlos, auch die Kaufleute, ferner die um⸗ wohnenden Grafen und Herren ließen ſich zu nichts bewegen. Endlich kam gar die böſe Nachricht, S. Kaiſerl. Majeſtät habe den 17. April bis auf fernern Beſcheid den Herzog Friedrich IV. in Liegnitz zum regierenden Herrn eingeſetzt und den Herzog Heinrich alſo ſeiner Macht verluſtig erklärt.
Nun kam das Unheil unaufhaltſam. Der Wirth drang auf Abrech⸗ nung; als dieſe ſtattgefunden hatte, forderte er ein Bekenntniß der Schuld im Betrage von 2354 Thlr.; als er dieſes empfangen hatte, klagte er bei dem kurfürſtl. Hofgerichte und legte auf ſämmtliche Roſſe und Fahrniſſe des Herzogs Arreſt. Die Einrede des Herzogs, er ſei ein Fürſt des Reiches, ſtände nicht unter dem Hofgerichte, ſondern lege Berufung gen Speier an das Kammergericht ein, ward verworfen. Wenn nicht binnen 8 Tagen die Forderung des Wirthes erledigt ſei, ſo ſollte ſofort alles geſchätzt und verkauft werden. Eine Geſandtſchaft an den Kurfürſten ſelbſt richtete nichts aus. Der Herzog zog ſich in ſeiner Noth zum Herzog von Kleve zurück und ließ ſein Geſinde dahinten. Nach 8 Tagen wurden alſo die Pferde und die Kutſchen, und zwar auf 2926 Thlr. geſchätzt. Nur durch ein ener⸗ giſches Auftreten erlangte Schweinichen, daß die Pferde nicht an der ſchimpf⸗ lichen Staubſäule, ſondern im Stalle tarirt wurden, ſowie daß der Wirth im ordentlichen Wege ſein Recht geltend machen mußte. Während des Prozeſſes hatte dieſer auch die 23 Pferde zu füttern und 6 ſie bedienende Knechte zu unterhalten; die Uebrigen vom Gefolge, 34 Perſonen, zogen während deſſen in eine andere Herberge. Dies Weſen dauerte 18 Wochen lang.
Einen Theil des Unterhaltes zu Köln trugen auch die 2000 Kronen Wartegeld, welche der Herzog bezog, aber das meiſte blieb an den Ritt⸗ meiſtern und Hauptleuten hängen, die er unterhalten mußte. Auch 1000 Goldgulden, die er vom Herzog von Kleve bekommen hatte und womit er wieder nach Deutz kam, wurden verausgabt, ohne daß ſeine mißliche Lage ſich im geringſten geändert hätte. Beinahe hätte er von Utrecht eine bedeu⸗ tende Summe wegen einer vorgeblichen Beleidigung erpreßt, und zwar durch


