Jahrgang 
4 (1858)
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474 Aus der Vergangenheit.

köſtliches Leben.Es war J. F. Gnaden und unſer Thun nur dieſes, daß wir ſpazieren gingen, in die Kirche, Zeug⸗ und Provianthäuſer, uns nach ſchönen Jungfern umſahen, ſoffen, ſpielten, luſtig und guter Dinge waren. Wie denn zu Augsburg ſolches wohl ſein kann und Geſellſchaft genug vor⸗ handen. Der Herzog ſpielte täglich mit den Geſchlechtern und hatte am Ende(in 3 ½ Wochen) an 170 Thlr. gewonnen. Dazu kamen manche Feſtlichkeiten, Hochzeiten und Gaſtmähler, daß es dem Schweinichen manch⸗ mal vorkam, er wäremehr im Himmelreich, oder im rechten Paradieſe. Auch bei dem reichen Fugger waren ſie, der ſie wohl tractirte und dann in ſeinem gewaltigen Hauſe herumführte. Dies war ſo groß, daß der römiſche Kaiſer auf dem Reichstage mit dem ganzen Hofe Raum darin gehabt.Da hat der Herr Fugger J. F. Gnaden in ein Thuͤrmlein geführt, darin hat er von Ketten, Kleinodien und Edelgeſteinen, auch von ſeltſamer Münze und Stücken Goldes, als wie Köpfe groß, einen Schatz gewieſen, über eine Mil⸗ lion Goldes werth. Hernach ſchloß er einen Kaſten auf, voll von Dukaten und Kronen, eine Summe von 200,000 Gulden, die er in Wechſeln dem König von Spanien lieh. Darauf führte er den Herzog auf daſſelbe Thürm⸗ lein, welches von der Spitze an bis in die Hälfte hinunter mit lauter guten Thalern gedeckt war. Sagt: es wären ungefähr 17,000 Thlr. Damit bewies er J. F. Gnaden große Ehre und beineben auch ſeine Macht und ſein Vermögen. Da nun in der Herberge täglich viel aufging, ſo daß außer den 250 Thalern, die bereits gezahlt waren, der Wirth noch 1300 Thlr. zu fordern hatte, ſo ſuchte der Herzog ein Anlehen zu machen. Aber Herr Fugger lehnte die Bitte um 4000 Thlr. ab, verehrte jedoch dem Fürſten 200 Kronen und einen ſchönen Becher im Werthe von 80 Thalern, dazu ein ſtattliches Roß, mit einer ſchwarzſammtenen Decke behangen. Auch der Rath ließ ſich auf 4000 Thlr. nicht ein, zeigte ſich jedoch willig, auf ein Jahr dem Herzoge gegen Revers 1000 Goldthaler ohne Intereſſen vor⸗ zuſtrecken; außerdem ſchenkte er ihm gleichfalls ein treffliches Pferd. Hiermit war dieſer wohlzufrieden. Es erhielt nun der Wirth die vom Rathe erhal⸗ tene Summe auf Abſchlag, das Uebrige(im Ganzen waren 1470 Thlr. verzehrt) mußte er gegen Revers auf zwei Monate borgen. Um Reiſegeld zur fernern Fahrt zu erhalten, wurde bei einem Kaufmann das Silber⸗ geſchirr verſetzt, das zum Theil erſt bei nürnbergiſchen und augsburgiſchen Künſtlern gemacht war; ſie erhielten darauf 800 Thlr., obwohl es einen