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472 Aus der Vergangenheit.
Ring, 8 Thaler werth. In Speier hielten die Reiſenden mit einigen ge⸗ lehrten Doktoren ihrer Sache wegen ein Conſtlium, wofür dieſe ein Hono⸗ rar von 100 Gulden empfingen. Sie beſuchten dann den Herzog Wilhelm von Baiern und darauf den alten Herzog, der zu Pfaffenhofen war. Auch von dieſem ward der gebetene Beiſtand zugeſagt; das Geſchenk, welches die Herzogin überſandte, war ein ſchönes Kleinod, auf 500 Thaler zu ſchätzen. Hier bekam auch Schweinichen wiederum einen Ring, deſſen Werth er auf 10 Fl. anſchlägt. Der Pfalzgraf von Neuburg, der nächſte Beſuch, empfing ſie nicht minder ſtattlich; nebſt der Zuſicherung des Beiſtandes erhielten ſie von der Pfalzgräfin ſchöne Geſchenke, der Herr einen Ring zu 100, der Diener einen zu 7 Thaler. Der Pfalzgraf führte die Reiſenden dann auf ſeinem Donauſchiffe gen Ingolſtadt, wo ſie wiederum den alten Herzog von Baiern antrafen. Dies nochmalige Zuſammentreffen, ſowie die gereichte vortreffliche Bewirthung machten dem Herzog Muth, bei jenem um ein Darlehn von„tauſend goldenen Thalern“ anzuhalten. Dies ward ihm wirklich bewilligÄt. Der Rückweg führte nun über Regensburg wieder nach Prag, wo die Liegnitziſchen Deputirten der Landſchaft zum Austrage der Sache bereits ein Verhör erwarteten und an die Ankunft ihres Landesherrn, den ſie nach Frankreich entronnen meinten, kaum glauben wollten. Dieſe Reiſe aber, ſagt Schweinichen,„hat J. F. Gnaden über 1500 Thaler geſtanden, und haben wir in der kurzen Zeit, als in 2 ½ Wochen, über 209 Meilen gereiſet und dabei auch viele Tage ſtille gelegen und nichts weniger auch ſehr getrunken.“
Allein die Streitigkeiten zwiſchen dem Herzoge und ſeinem Lande wurden diesmal noch nicht zu ihrem Ende geführt, ſondern der Kaiſer ver⸗ ſprach ſie ſpäter durch eine Kommiſſion ſchlichten zu laſſen. Der Herzog ließ es ſich alſo eine Weile am Hoflager noch wohl ſein, beſonders da zu dieſer Zeit auch die Krönung des römiſchen Königs Rudolf II. mit großen Feſten gefeiert ward. Doch„letzlich ſo ging dem frommen Herrn auch das Geld ab, daß es alſo faſt ſchwer werden wollte; mußte alſo die Hebräer mit Pfand ſuchen.“ Nach 5 Wochen luſtigen Lebens endlich trat der Herzog, ſtatt ſein Land zu ſuchen, ſeine zweite abenteuerliche Fahrt ins Reich an, die in ihrem Verlaufe ſehr merkwürdig iſt.
Am 10. September 1575 brach er mit drei Junkern, die er neu und ſtattlich hatte kleiden laſſen, nebſt einem übrigen entſprechenden Gefolge, mit vier reiſigen Roſſen, einer Kutſche mit 6 Roſſen und einer Miethskutſche


