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Von Leopold Gildemeiſter. 467
zwiſchen Eins und Drei, wie es grade paßt. Das Eſſen iſt ſchlecht und feſſelt uns nicht an den Tiſch; ſie ſelbſt iſt verdrießlich oder zerſtreut, jeden⸗ falls aber mit meiner Unterhaltung nicht zufrieden, da dieſelbe ihr zu ſimpel iſt nach all den geiſtvollen, Morgens gehaltenen Reden und Redensarten,— und noch weniger dazu aufgelegt, ſelbſt eine Unterhaltung zu verſuchen. Sie iſt matt und— intereſſant, heißt man das, glaub' ich.—
Dann ſchläft ſie und ich muß von drei bis ſechs Uhr auf's Bureau; ob ich mag oder nicht, gleichviel— ich muß. Wenn ich nach Hauſe komme, hätte ich Zeit; ſie aber macht Toilette, iſt aus, oder hat Gäſte bei ſich. Will ich eſſen, ſo muß ich in eine Reſtauration gehn oder mich auf einem der geſtickten Seſſel mit einer Taſſe Thee und einem winzigen Brodſtückchen begnügen. Vier Tage in der Woche kommt die Poſt Abends um neun Uhr und ich habe dann bis Mitternacht zu thun. Die andern Tage wäre ich frei— aber ſie iſt es dann ſicher nicht. Und ſo wird's Mitternacht, wir gehn zu Bett, ohne eine einzige Stunde für uns gehabt zu haben.
Nun, meine liebe Baſe, nennen Sie das noch ein Zuſammenleben? Eine Häuslichkeit? Soll der Mann ſeine Stellung aufgeben, um dann fuͤr ſeine Frau eine freie Stunde zu haben, wenn es ihr gefällig iſt? Oder ſoll die Frau ihre Zeiteintheilung, die durch nichts bedingt iſt, nach der des Mannes regeln?— Ich kann nicht; ſte will nicht— alſo bleiben wir auseinander, obgleich ich die böſen Folgen eines ſolchen traurigen Lebens nicht einen Augenblick verkenne, ſondern ſie leider, leider in unſerer Ehe
bereits wuchern ſehe!
Und für wen opfert meine Frau das Gluͤck ihrer friedensvollen Häus⸗ lichkeit auf?— Nicht für eine wirklich angenehme, bildende Geſelligkeit, ſondern für den Verkehr mit ein paar Weibern von altem Namen und min⸗ deſtens zweideutigem Ruf; mit einigen Männern, die ſich durch Gott weiß was eine gewiſſe Art von Anſehn in ſolchen Kreiſen erworben haben. Jede anſtändige Frau weicht ihnen aus, da ſie weiß, daß dieſe Burſche gewiſſen⸗ los genug ſind, um an alles eher zu denken, als an den Ruf einer ehrbaren Frau, und daß ſie durch den auch nur oberflächlichen Umgang mit ihnen ſchwerlich Gewinn und Chre, ziemlich ſicher aber das Achſelzucken der Ver⸗ ſtändigen und das Zurückziehn derſelben zu gewärtigen habe. Daß unter dieſen Herren auch ein paar Uniformen ſind und ein Menſch mit einem polniſchen Namen und einem kleinen ſchwarzen Bart— das verſteht ſich von ſelbſt.
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