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468 Eheſtandsbriefe meines dummen Vetters an ſeine weiſe Baſe.
Meine Frau iſt zu ihnen durch die Bekanntſchaft mit jenen Frauen gekommen, die ihr als Surrogat der„Vornehmheit“ dienen müſſen, da ſie den wirklich vornehmen Leuten nicht beikommen kann. Nun ſitzen ſie aber feſt bei uns, mit jenen oder allein, halten ſich im Geheim über die kleine „Bürgerliche“ auf, möchte ich wetten,— und verdrehen ihr durch ein lächerlich übertriebenes Courmachen den Kopf.
Eiferſüchtig bin ich nicht, meine gute Baſe, obgleich mich Philippine ſo nennt, wenn ich ſte einmal auf das Gerede der Leute aufmerkſam mache, welche dieſe Geſellen, bald einzeln, bald zu mehreren täglich und zu allen möglichen Stunden unſer Haus beſuchen ſehn,— wenn ich ſie traurig und innig auf die Folgen hinzuführen ſuche, die dieſer Umgang für ſte hat. Die guten angenehmen Häuſer,— wie auch das des Miniſters— werden ihr, wenn nicht grade geſchloſſen, ſo doch nicht mehr bereitwillig geöffnet. Die wahrhaft liebenswürdigen und geachteten Frauen verſchwinden immer mehr aus unſern kleinen Geſellſchaften, aus ihrem Umgang.
Ich bin nicht eiferſüchtig, wiederhole ich. Ich habe eine zu gute Mei⸗ nung von Philippinens Charakter und Klugheit— von ihrer Liebe zu mir nicht, meine gute Baſe. Angenehm aber kann es mir nicht ſein, wenn ich zu jeder Stunde ſolch einen Herrn bei meiner Frau finde, wenn ich bei meinem Eintritt die Unterhaltung plötzlich lahm werden höre, den Herrn bald aufbrechen ſehe. Heißt das den Schein wahren? Heißt das auf die Reinheit des Rufs bedacht ſein— des Rufs, der fein und empfindlich wie Spinnweb und ſo leicht zu beflecken wie Schnee?— Philippine klagt zwar gegen mich und— können Sie das glauben?— gegen Andere, daß ich ſte mit dieſen Herren allein laſſe und ihr nicht zu Hülfe komme!— Aber ich habe ihr geſagt und ſpreche es auch hier aus: wehe der Frau, die in ſolchen Fällen einer Hülfe Anderer zu bedürfen glaubt, die ſich nicht ſelbſt ihre Freiheit und Ruhe zu bewahren weiß! Wiſſen Sie, was man von einer ſolchen Frau denkt? Sie will ſich nicht helfen! Sie will zu Grunde gehn! Denn jedermann weiß, daß es unſern Sitten und dem Herkommen gemäß, niemand leichter wird als teiner Frau, ihren Umgang ganz nach ihrem Willen zu wählen.
Der Kurioſität wegen will ich Ihnen doch Philippinens letzten Einfall mittheilen. Als wir vor einigen Tagen eine kleine Erörterung über dieſe Beſuche und ihre Folgen hatten und ſie mich wie üblich mit Thränen— das iſt auch etwas Neues, aber Natürliches: ich mache ſie ſo nervös!—


