Jahrgang 
4 (1858)
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466 Eheſtandsbriefe meines dummen Vetters an ſeine weiſe Baſe.

Alſo ich ſtehe Winter und Sommer um ſechs Uhr früh auf, um ein paar ganz ruhige Arbeitsſtunden zu gewinnen und ſpäter, gegen acht Uhr für Philippine und die Kaffeeſtunde frei zu ſein. Ich habe mir früher meinen Kaffee immer ſelber gemacht, denn ich kann, zumal im Winter, nicht ſo lange ganz nuͤchtern und in der Kälte ſitzen, und er war ſtets gut und bildete eigentlich den einzigen Lurus, den ich mir geſtattete. In meiner Junggeſellenwohnung erſchien dann auch das Mädchen um ſechs Uhr zum Ein⸗ heizen; doch gab es natürlich manche verdrießliche Ausnahme in dieſer an⸗ genehmen Ordnung, und ich freute mich nicht wenig auf die Zeit, wenn ich einmal in der eigenen Wohnung, mit der eigenen Dienerin das alles auf's vollkommenſte haben würde. Nun iſt es damit aber anders geworden. Das Mädchen hat jetzt nie Zeit, zeigt ſich nie vor ſieben oder ½ 8 Uhr, weil ſte ſo ſpät ins Bett kommt, und will ich nicht frieren, ſo muß ich ſelber einheizen, NB. wenn ich zum Holz kommen kann, denn in mein Zimmer erhalte ich keins, trotz meines vielen Bittens, und Philippine erklärt der⸗ artige Wünſche für unausſtehliche Prätenſionen, ſte müſſe dann drei Mäd⸗ chen haben. Kaffee habe ich dann in den erſten Monaten unſerer Ehe auf ihr Schmeicheln mit ihr getrunken. Aber erſtens mußte ich dann bis acht Uhr nüchtern bleiben und fühlte mich in Folge deſſen elend; und zweitens wurde der Kaffee bald ſo ſchlecht, daß ich ihn nicht genießen konnte. So bin ich denn wieder zu meiner alten Gewohnheit zurückgekehrt einer der wenigen Punkte, die ich durchgeſetzt ſpüle mir das Kaffeegeſchirr, Taſſe, Maſchine ꝛc. ſelber, und bin um acht Uhr für Philippine frei.

Allein ſie ſteht erſt bald gegen neun Uhr, bald noch ſpäter auf, wo ich bereits wieder bei der Arbeit ſein muß, denn um dieſe Zeit kommt Poſt und Druckerei u. ſ. w., kurz Sachen, die keinen Aufſchub leiden. Da iſt dann jede Störung mißlich; trotzdem aber ſtört meine Frau mich niemals häufiger und niemals unnöthiger als grade dann nicht, um mir etwa ein gutes, zärtliches Wort zu ſagen, mir einmal ihre Liebe zu zeigen, ſon⸗ dern um mir dies oder jenes zu bringen, zu fragen, wozu jede andere Zeit paſſender wäre. Ich bin daher jetzt auch ſchon ſeit einigen Wochen nach dem Redactionsbureau übergeſtedelt. Meine Arbeiten ernähren uns und laſſen ſich nicht aufſchieben; Philippine aber läßt mich abſolut nicht fertig werden.

So wird es zwölf Uhr. Sie hat bis Eins oder halb Zwei Beſuch, oder geht dazu aus. Wenn ſie frei oder wieder daheim iſt, eſſen wir