8 Anfang und Ende.
bin ich geneigt zu glauben, daß noch ein Unterſchied ſei, wer das Gewand unſerer Jugendträume trägt.“—
Die Tanzmuſik ging während dieſes Geſprächs immer fort und im Saal wurde es heiß. Die ſchöne Frau ließ ihren Fächer ſpielen und athmete mit offenen Lippen. Es fiel ihrem Freunde ein Wort ein, das er bei einem Franzoſen geleſen hatte, in wie naher Verwandtſchaft gewiſſe blaue Augen mit gewiſſen weißen Zähnen ſtünden. Er ſagte es ihr.„Sie ſehen,“ fuhr er fort,„wie unbefangen ich unſere Freundſchaft mißbrauche, Ihnen alles zu ſagen, was mir gerade in den Kopf kommt. Ich halte mich dadurch für mein langes Schweigen ſchadlos und Sie dürfen mir nicht darum böſe ſein. Wahrlich es kommt mir vor, als dächte der Himmel doch noch einen guten Ehemann und Hausvater aus mir zu machen, da er mir dicht vor dem großen Schritt noch alles von der Seele nimmt, was ihn mir ſchwer machen konnte. Ich wäre ſonſt in der glucklichſten Häuslichkeit die Sorge nicht los geworden, daß mir einmal unverſehens Ihre Geſtalt vorubergehen und mich in die alte Verwirrung ſtürzen möchte. Nun Sie alles wiſſen und ſo freundlich den rechten warmen und ſichern Ton zwiſchen uns angeſchlagen haben, kann ich meine Brautfahrt morgen mit ganz anderem Herzen antreten.“
Sie waren Beide aufgeſtanden und betrachteten die Blumen.„Wie ſchön iſt dieſer Leuchter,“ ſagte ſte.„Eine Fortuna, die man ſich dienſtbar
gemacht hat, damit ſie das Licht emporhalte!“—„Eine Siegesgöttin ſcheint mir's zu ſein,“ verſetzte er.„Die Kugel fehlt, auf der das Glück da⸗ hinrollt, denn die Victoria hält Stand bei dem Muthigen.“—„So ſei es
Ihnen eine gute Vorbedeutung für Ihre morgende Fahrt, daß Ihnen am Vorabend der Sieg den Leuchter gehalten hat.“
„Sie zweifeln an meinem Muth, Frau Eugenie? Wenn irgend je⸗ mand, ſo haben Sie ein Recht dazu. Doch hoffe ich es jetzt beſſer zu machen, als vor vierzehn Jahren, und mein Schickſal, gutes oder böſes, wenigſtens herauszufordern, daß es mir deutlich Rede ſtehe. Wenn es mir aber wohl will, ſo verſpreche ich, daß Sie die Erſte ſein ſollen, bei der ich als Herold meiner eigenen Heldengröße mich ſehen laſſe. Doch nun genug von mir. Noch haben Sie mir kein Wort von Ihrem Leben und Ergehen geſagt und durch Andere etwas zu erforſchen, hat mir immer der Muth gefehlt. Seit ich erfuhr, daß Sie ſich verheirathet, bin ich allen Orten ausgewichen, wo ich von Ihnen hören konnte, ja ſogar der Name Ihres Gemahls iſt mir


