Jahrgang 
4 (1858)
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4 Anfang und Ende.

man ja wohl dankbar ſtillhalten, wenn ſich ein guter Freund die Mühe gibt. Zuweilen denke ich freilich, daß es zu ſpät ſein möchte.

Zu ſpät? Ich kann nachrechnen. Vierzehn Jahre iſt es, daß wir uns nicht geſehen. Wenn Sie ſich damals nicht jünger machten, als Sie waren, ſo halten Sie jetzt kaum an den Jahren, die man die beſten nennt.

Ich mich juͤnger machen? Lieber Himmel, eher das Umgekehrte wäre in meinem Intereſſe geweſen. Woran erinnern Sie mich, Eugenie!

Und iſt ſte ſchön, jung, liebenswurdig, Ihre Braut? lenkte ſie raſch

wieder ein.Ich wurde mir dieſe Frage, die einen Zweifel einſchließt, er⸗

ſparen, wenn Sie nicht einem Freunde Vollmacht gegeben hätten, über Ihr Herz zu verfügen. Und in ſolchen Dingen ſind Freunde nicht immer zuver⸗ läßig.Sie thun unſerm vortrefflichen Wirth großes Unrecht, verſetzte er lachend.Nicht nur fehlt keine jener drei Kardinaltugenden, ſondern eine jede iſt ſogar dreimal vorhanden.Dreimal?Ich meine in drei verſchiedenen Eremplaren, unter denen mir Aermſten die Wahl ſchwer wer⸗ den ſoll, wie mir gedroht wird.Und alle drei ſind ſterblich in Sie verliebt? Da muß es ja jedenfalls ein Doppelunglück geben!Fürch⸗ ten Sie nichts. Bis zu dieſer Stunde weiß keine meiner Auserwählten, daß ich uͤberhaupt auf der Welt bin. Ihr Vater.Drei Schwe⸗ ſtern alſo?

Ja, eine blonde, eine braune und eine ſchwarzlockige. Sie ſehen, da iſt kein Entrinnen, für jede Laune des Geſchmacks iſt geſorgt. Morgen mit dem Früͤhſten nimmt mich mein unbarmherziger Seelenverkäufer in ſeinen Wagen und liefert mich meinem Verhängniß aus. Sie wohnen in L., vier kleine Stunden von hier, und ein Pferdehandel ſoll den Vorwand her⸗

leihen. Ihr Vater, der in dem Städtchen als Arzt lebt, hat einen präch⸗ tigen Schimmel von reinem arabiſchem Blut im Stall. aus wie weiland Saul, der Sohn des Kis. Königreich heimkehren!

Wenn Sie wüßten, ſagte er nachdenklich,wie wenig mich nach der Herrſchaft gelüſtet! Denn gibt es einen größeren Sklaven, als ein König? Heute bin ich noch frei, und ſo nehme ich mir denn die Freiheit, mich zu Ihnen zu ſetzen und an vergangene ſchöne Tage zu denken, wo ich freilich auch in Banden lag, aber in Zauberbanden.

Sie ſchwieg, während er ſich in den Lehnſtuhl warf und ihn dergeſtalt gegen den Saal hinſchob, daß er nichts von der Geſellſchaft ſah, nur die

Sie ziehen Mögen Sie, wie er, mit einem