Jahrgang 
4 (1858)
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Von Paul Heyſe. 3

ohne Schlaf zugebracht, und ich darf Ihnen wohl geſtehen, daß eben, als Sie kamen, die ſchwache Natur gegen alle Schicklichkeit das Verfäumte nach⸗ zuholen im Begriff war. Ich ſage es Ihnen, weil es einen alten Freund befremden muß, ſo zerſtreut und wenig herzlich begrüßt worden zu ſein.

Sie bot ihm jetzt die Hand.Ich danke Ihnen, verſetzte er, und ſein Weſen hellte ſich auf,ich danke Ihnen, daß Sie mir mein geringes Anrecht auf Ihre Freundſchaft bewahrt haben. Fahren Sie nun fort, mich auf dem alten Fuß zu behandeln, und genießen Sie weiter die Ruhe, die ich Ihnen leider geſtört habe, Ich werde ſorgen, daß niemand wieder in dieſe Laube eindringe und, wenn Sie es wünſchen, ſelbſt am Eingang bei der Palme Wache ſtehen.

Sie lachte!Nein, ſprach ſie,ſo iſt es nicht gemeint. Nur fuͤr das Geſpräch mit wildfremden Menſchen bin ith zu müde. Wenn Sie mit meinem guten Willen vorlieb nehmen wollen, ſo ſetzen Sie ſich zu mir und erzählen mir, wie es Ihnen geht und ergangen iſt Sie werden am beſten ſelbſt urtheilen, wie es mir ergangen ſein muß, wenn ich Ihnen im tiefſten Geheimniß vertraue, wie es mir in dieſem Augenblicke geht. Mein Freund hat mich zu ſich eingeladen, um mich auf irgend eine Art zu ver⸗ heirathen. Was ſagen Sie dazu? Er hält es für ſeine Pflicht. Wie weit muß es mit einem Menſchen gekommen ſein, deſſen Freunde es füͤr ihre Pflicht halten, ihn unſchädlich zu machen!

Sie erſchrecken mich, erwiderte ſie lächelnd.Als ich Sie kannte, waren Sie, wenn auch immerhin nicht ganz ungefährlich, doch weit davon entfernt, ſo viel Unheil anzuſtiften, daß man im Intereſſe der öffentlichen Sicherheit nöthig gehabt hätte, Sie in Feſſeln zu legen.

Sie ſpotten, Frau Eugenie. O dieſe Ihre Kunſt, wie wohlbekannt iſt ſie mir! Aber diesmal treffen mich Ihre Pfeile nicht. Für niemand fürchtet mein edler Vetter Unheil von mir, als für mich ſelbſt. Er iſt des Glaubens, wenn ich fortführe, auf dem alten Raubſchloß, das ich mir ge⸗ kauft, einſam zu hauſen, Grillen und Haſen zu jagen und der Landwirth⸗ ſchaft meiner Bauern mit Rezepten aufzuhelfen, von denen ich ſelbſt nichts verſtehe, ſo würde das Reſtchen geſunder Vernunft, das er ſo gütig iſt bei mir vorauszuſetzen, eines ſchönen Tags in Rauch aufgegangen ſein. Sie ſehen, er denkt mich homöopathiſch zu behandeln, eine Thorheit durch die andere zu heilen. Vielleicht hat er recht, und wenn man bewieſen hat, daß man ſelbſt nicht im Stande iſt, ſein Leben vernünftig einzurichten, muß

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