Jahrgang 
3 (1858)
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Von Friedrich Lampert.

die ſich in der Liebe für das höhere, in der Entſagung für dieſes Leben ein gemeinſames Aſil gegründet haben. Aber nicht ein Nonnenkloſter gewöhn⸗ licher Art betreten wir im Beguinenhofe, ſondern er bildet eine kleine Stadt für ſich, die Mauern und Gräben umgeben, über welche ſechs Bruͤcken führen, in die man durch große Thore tritt, welche Straßen und Plätze hat, in der ſich 18 Convente befinden und eine große und kleine Kirche und 400 Häuſer oder beſſer Häuschen ſtehen. Denn gar kleine niedliche Dinger ſind dieſe Nonnenwohnungen, ſchmuck und einfach von außen, ſo friedlich anzuſehen, daß man es fühlt, es müſſe das Herz ſtill werden können in dieſen engen Räumen. Ueber den Thuüren ſtehen die Namen der Schutz⸗ heiligen geſchrieben, hinter den blanken Fenſtern ſchaut hier und dort ein Blumenſtöckchen hervor. Einzeln oder zu mehreren wohnen die Schweſtern in dieſen Häuschen bei einander, ſtill und arbeitſam ihr frommes Tagewerk thuend.

Schon im 1 1ten Jahrhundert hatten ſich einzelne Frauen in den Nie⸗ derlanden für Werke der Barmherzigkeit ohne unbedingte Gelübde in eignen Häuſern zuſammengethan, vom Volke Beghinen, Betſchweſtern genannt. Sie mehrten ſich im 1 3ten Jahrhundert, als viele ſich von der allgemeinen Kirche wie vom Kloſter unbefriedigt fühlten, oder wegen Armuth die Einkleidung nicht erlangen konnten. Das eigentliche Land der Beguinenhöfe blieben die Niederlande, in Deutſchland gab es nur einige, wie zu Kaufbrunen und zu Waldſee, deren Reſte aber längſt verſchwunden ſind. In Belgien hingegen haben ſie ſich gehalten, ja ſogar der Sekulariſirung der Nonnenklöſter durch Joſeph II. widerſtanden, und den unverkennbaren Segen ihrer Inſtitution in unſere Zeit herübergetragen. Mit klöſterlichen Einrichtungen, ſo namentlich mit ſtrenger Gehorſamspflicht gegen die Oberin, die grootjufrouw, und doch ohne feſte, unwiderrufliche Kloſtergelübde, ſchließen dieſe Beguinenhöfe viel gute, wahrhaft fromme Elemente ein, und erfüllen wirklich ihren Zweck, eine Genoſſenſchaft fern der Welt für einen gottgefälligen, arbeitſamen und keuſchen Lebenswandel zu bilden. Der Rücktritt aus der Zelle in die Welt iſt keiner Beguine verwehrt, allein mit Stolz darf es das Kloſter rühmen, daß es zu den größten Seltenheiten gehört.

Der Beſuch der Vesper im Beguinenhof ſei unſer letztes Bild aus Gent. Es iſt das ein ſo eigenthümliches, daß ſein Eindruck ſchwer vergeſſen werden kann. Die Sonne iſt am Untergehen, die Glocken der Kloſterkirche haben zum letztenmal geläutet, ſchon hören wir die Orgelklänge. Wir