Von Friedrich Lampert. 477 ado Urſprünglich beſtand dieſes Bild aus 13 Tafeln, die von den Franzoſen hor⸗ nach Paris geſchleppt worden waren. Sechs dieſer Tafeln kamen nach der luch Einnahme von Paris aus verſchiedenen Händen endlich in Beſitz des Mu⸗ ahr⸗ ſeums zu Berlin. Eine ſiebente Tafel iſt verſchwunden, zwei ſind unzugäng⸗ ꝛden lich im Privatbeſitz zu Gent, und ſo hat alſo die Genter Kathedrale noch men vier Tafeln, drei der obern, die einzelnen Geſtalten Gott Vaters, der dite Jungfrau und Johannes des Täufers, und die mittlere, nach welcher das ear⸗ ganze Gemälde benannt wurde, die Anbetung des unbefleckten Lammes. iede⸗ In den erſtgenannten drei Figuren zeigt ſich noch ein Uebergangsſtadium, nden es kämpft in ihnen die alte mit der neuen Kunſt. Einzeln, ſtatuariſch auf arer Goldgrund gemalt, haben ſie ſich noch nicht von der Starrheit und archi⸗
tektoniſchen Symmetrie der Geſtalten des Mittelalters losgemacht, allein und dabei ſind ſie doch in Einzelheiten, in charakteriſtiſcher Bildung und zumal reut der Farbenbehandlung vom Genius der neuen Zeit angehaucht und in das und Element friſchen Lebens und jugendlichen Glanzes getaucht. euere So ſind die Züge des Geſichts Gottvaters durchweg ſtreng, gradlinig, einen regelmäßig und ſchwer; Kopf und Geſtalt zeigen ſich ganz von vorn, die ettet 2 großen Augen in gerader, faſt ſtarrer Richtung, das reiche Purpurgewand nicht fließt faſt gleichmäßig zu beiden Seiten des Thrones herab. Daneben aber dem gibt die glänzende Farbe, das Leuchtende des kriſtallenen Zepters, des Gol⸗ mes des und der Edelſteine, beſonders aber der Glanz des Auges und die friſche Farbe der Carnation eine Lebenswahrheit, wie ſie ſich, den Bildern der jidde⸗ bisherigen Tradition gegenüber, zum erſtenmal zeigt. Auch die Jungfrau einen iſt dem Beſchauer, ganz in der Weiſe des alten Stils, in ganzer Breite t ge⸗ zugewendet; ihr Geſicht hat das regelmäßige, nur etwas weicher und ſchlan⸗ vor⸗ ker gehaltene Oval; die Falten ihres Gewandes ſind gerade gebrochen. Aber den auch an ihr wird die Starrheit gemildert durch eine Milde, die namentlich Turen V im Auge und in der Senkung des Hauptes hervortritt und einer indivi⸗ a⸗ duellen Lebensäußerung Raum gibt, wie ſie auch kein Madonnenbild der athei alten Zeit aufzuweiſen hatte. bung Im Hauptbilde jedoch, auf der andern Tafel, iſt dies alles noch in viel udt höherem Maßſtabe vorhanden; da iſt das Alte ganz überwunden, und der
Hauch der neuen Kunſt weht unverkennbar friſch und belebend durch das in ganze ergreifende Gemälde. Da iſt Einheit und ein Ganzes nach Idee und 1 Handlung, es ſind nicht mehr einzelne oder ſymmetriſch geordnete Geſtalten 1 auf Goldgrund, ſondern Figuren und Staffage greifen in einander; es iſt


