WiA
Gent.
geſtritten wurden, die entſchiedenſten Momente bürgerlicher Selbſtherrlichkeit ſich entwickelten. Hier wurde den Grafen von Flandern mit einem Aufwand von Pracht und Glanz gehuldigt, für den unſerer Zeit der Maßſtab der Beurtheilung faſt entſchwunden iſt, nachdem ſie zuvor eidlich gelobt hatten: „al de bestaende wetten, voorregten, vryheden en gewoonten van't graef- schapen van de Stad Gent te onderhouden.“
Aber hier war es auch, wo ſich bei irgend einer Verletzung ihrer Ge⸗ rechtſamen die Zünfte zuſammenfanden, von der aufreizenden Rede blitzes⸗ ſchnell zur empörenden That fortgingen und ſich kampfbereit um ihre Banner ſammelten. Hier war gewiſſermaßen der Thronſaal der Artevelle, dieſes urkräftigen Demagogengeſchlechts; hier empfing Philipp van Artevelle 1381 von ſeinen Mitbürgern den Eid der Treue, als ſie ihn aufgefordert hatten, ſie gegen ihren Landesherrn, den Grafen Ludwig von Flandern, genannt von Maele, zu führen. Hier wurde 40 Jahre früher unter ſeinem Vater, dem Brauer von Gent, Jakob,„dem Ruwaerd(Diktator) van Vlaendern“, der in den Annalen der Stadt mit dieſem Namen bezeichnete, furchtbare „böſe Montag“(„kwaede Moendag“) durchgekämpft. Gerhard Denys, der ſpätere Mörder der Artevelle, hatte an dieſem Tag an der Spitze ſeiner Anhänger, der Weber, die ihm feindliche Partei der Walker ſo heftig und mit ſo wilder Wuth angegriffen, daß ſelbſt die Gegenwart der herbeigebrach⸗ ten Hoſtie die Streitenden nicht trennen konnte und 500 Todte auf dem Platze blieben.— Auf dem Freitagsmarkte endlich loderten auch die Flam⸗ men der Alba'ſchen Autodafé's zum Himmel auf, das Zeugniß tiefſter Ernie⸗ drigung zu dem der frühern Größe geſellend.
Auch das möchte vielleicht nicht unintereſſant ſein, daß auf dem Frei⸗ tagsmarkt die größte Kanone der Welt ſich befindet. Auf einer gewaltigen Laffete liegt dort die„dulle Griet“, ein rieſenhaftes Ding von geſchmiedetem Eiſen mit ihren 18 Fuß Länge und 10 ½ Fuß im Umkreis. Zur Zeit Philipps des Guten angefertigt, iſt ſie von den Gentern zweimal, 1382 und wieder 1452, bei der Belagerung von Oudenarde gebraucht worden.
Jetzt ruht ſie nun ſchon ſeit mehr als 400 Jahren dort an ihrer Straßenecke aus, ein einziges Kurioſum der Kriegsgeſchichte.
Der modern regelmäßigſte Platz iſt jedenfalls der Kauter; er gehört für die Parade, am Sonntagvormittag auch für den prächtigen, von den Leiſtun⸗ gen keiner andern Stadt übertroffenen Blumenmarkt. Aber auch der Kauter hat ſeinen Theil an den berühmten Namen Gents, nämlich die Häuſer ſeiner


