470 Gent. die Sturmglocke, die Bürger griffen zu den immer bereiten Waffen, die weiße Binde ward als Feld⸗ und Erkennungszeichen umgebunden oder eine weiße Muͤtze aufgeſetzt, und in kürzeſter Friſt war erreicht, was man wollte, das Unrecht zurückgetrieben oder das Recht erzwungen.
Immer ging's freilich nicht ſo ganz ohne ſchlimme Folgen für die widerſpänſtige Stadt ab; hatte ſie auch meiſt für den erſten Augenblick den Sieg behalten, ſo ſammelten ſich doch manchmal die erbitterten Fürſten und Herren zu ernſtlicher Gegenwehr und uͤbten harte Vergeltung. Tauſende aus den tapfern, aber ungeordneten Bürgerſchaaren bluteten dann auf dem Schlachtfelde; furchtbare Auflagen wurden über die Stadt verhängt, die wichtigſten Vorrechte aufgehoben und die angeſehenſten Bürger und der Rath verurtheilt, im Hemd und mit einem Strick um den Hals, zum Thor hinauszuwandern, um den Staub von den Füßen ihrer Gebieter und Beſteger zu küſſen.
Dieſes Revolutionsfieber war es endlich auch, das Gent allmälig hin⸗ und wenn es auch im Beſitz unermeß⸗
ſtechen und ſeine Kraft ermatten ließ;
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licher Huͤlfsquellen fuͤnf Jahre lang(1448— 1453) gegen ſeinen Herzog Philipp den Guten von Burgund Krieg führen konnte, ſo waren es doch gerade die Folgen dieſes Krieges, die ihm, da er endlich unglücklich ausging und eine gänzliche Demuͤthigung, ſchwere Geldſtrafen und völlige Stockung alles Handels nach ſich zog, unheilbare Wunden ſchlugen.
Die berühmteſten Namen Flanderns ſind mit Gent verbunden; ſeine größten Maler, die Gebrüder van Eyck zumal haben es mit ihren bedeu⸗ tendſten Kunſtwerken geſchmückt; in ihm hat der Brautkranz der lieblichen Erbin von Burgund, der reichen ſchönen Maria, geduftet, deren Hochzeit mit Maximilian I. hier 1477 großer Pracht gefeiert wurde. In Gent, im nun längſt verſchwundenen, aber doch noch im Namen einer Straße erhaltenen Prinzenhofe, ſtand die Wiege Kaiſer Karls V. Darum war es auch ſeine Lieblingsſtadt, dazumal die größte und bevölkertſte Europas. 35,000 Häuſer und 175,000 Einwohner zählte ſie unter Karls Regierung, und wenn er auch ſeinem Liebling ein Recht und Privilegium nach dem andern gab und ſcherzend, und doch mit ſo gutem Recht, zu Franz I. von Frankreich ſagen konnte:„je mettrai votre Paris dans mon Gant,“ ſo mußte ſich doch auch er, der mächtige Kaiſer, gegen den aufrühreriſchen Sinn ſeiner Genter durch Anlegen einer ſtarken Citadelle,„het Spanjeerds kasteel“ ſicher ſtellen.


