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Gent.
Von
Friedrich Lampert.
La reine des fleurs heißt Gent; und wer je durch die duftenden Reihen eines ſeiner Blumenmärkte gegangen iſt, in welche die 400 Treib⸗ häuſer der Stadt ihre ſchönſten Pfleglinge geſendet haben, wird ihm dieſen Namen wohl gönnen. In einem friedlichen Reich hat ſich das mächtige Gent nun ſein Königthum gegründet; einſt war es auf einem andern Gebiet zu ſuchen, es gab eine Zeit, wo Gent die Königin von Flandern, ja des ganzen nördlichen Europas war.
Es haften große Erinnerungen an dieſer gewaltigen Stadt, Erinne⸗ rungen einer Macht, wie ſie wenig andere Städte beſeſſen haben. War ſie auch dem Namen nach den Grafen von Flandern und ſpäter den Herzogen von Burgund unterthan, ſo beſtand doch dieſe Unterthänigkeit faſt nur im Namen. Die ſtreitbaren Bürger, deren Kern wiederum die Weber bildeten, welche ſchon 1297 24000 Engländer von ihren Mauern zuruckgetrieben und in der Sporenſchlacht von Courtrai zur Vernichtung der Blume der fran⸗ zöſiſchen Ritterſchaft nicht wenig beigetragen hatten, waren frühe daran, ſich ſelbſt Recht zu ſchaffen, wo ſie es brauchten, und verſtanden es auf's aller⸗ beſte, ihren Oberherren die wichtigſten Zugeſtändniſſe abzutrotzen, die heute noch den Grund der Volksrechte in Europa bilden. Und wenn eine ſpätere Revolution und die Revolutionsſtadt par excellence der neuern Zeit dieſe Volksrechte neu geltend gemacht haben, ſo haben ſie ihr Vorbild in Gent gefunden. Denn Gent war das Paris des 14ten und 15ten Jahrhunderts, die Stadt der beſtändigen Empörungen, der Schauplatz der furchtbarſten Straßenkämpfe. War irgend etwas dem ſtets ſtreitgerüſteten Volke nicht nach Wunſch, vielleicht eine neue Abgabe oder dgl., ſo läutete im Augenblick


