Jahrgang 
3 (1858)
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468 Neue walachiſche Märchen. Von Arthur Schott.

doch wüßt' ich, wie du reich und vornehm werden könnteſt. Komm, folge mir zu meinem Kaiſer, den du allein von einer unheilbaren Krankheit herzuſtellen vermagſt. Es wird dir gelohnt werden mit Gold und Silber, ſo viel du nur verlangſt.Ich bedarf und verlange nicht mehr, als ich habe, antwortete der Hirte jetzt kurz gefaßt auf die verführeriſcher Reden des Kaiſerboten,ich bin vollkommen zufrieden bei meinen Schafen.

Wie nun jener ſah, daß mit dieſem Naturſohne nichts anzufangen war, ſo erzählte er ihm, an welcher unheilbaren Krankheit der Kaiſer leide und daß alle Aerzte, Heilkundige, Räthe und Weiſe, was ſie gewußt, an ihm verſucht hätten, endlich daß es nur noch ein Mittel gebe, den kranken Herrn zu retten, und dies ſei, wenn er das Hemd eines vollkommen glücklichen Menſchen anziehe. H halbe Welt durchſucht, aber bis jetzt ſei es noch keinem gelungen, einen vollkommen Glücklichen zu finden. Jetzt aber habe es das Gluͤck gewollt, daß er ihn getroffen, und drum bitte er ihn, jetzt ihm zu ſeinem Kaiſer zu folgen.

Hiez mußte ſich der Bote begnügen, wenigſtens ſein Hemd für den Kaiſer mitzugeben.

Hierauf ſagte jener:Lieber Bruder! Gern wollt ich dir dieſe Ge⸗ fälligkeit thun, aber ſchau, es iſt nicht möglich! Mit dieſen Worten ſchlug er ſeinen Schafpelz zurück, und da ſah der kaiſerliche Bote wohl, daß es unmöglich war, denn der Gluͤckliche hatte keins. So zog denn auch dieſer letzte Geſandte unverrichteter Sache wieder heim an den Hof ſeines Kaiſers, von dem die Geſchichte nichts weiter erfuhr.

Hunderte von Geſandten und Boten haben ſchon die

u wollte ſich indeſſen der Hirte durchaus nicht herbeilaſſen, und ſo wenn er ihm ſchon nicht folgen wolle, ihm

Anmerkung.

davon werden bei den Walachen häufig als

* Hemden, Flecke oder Fetzen unerklärliche Krankheiten und

ſympathetiſche Mittel gegen Verhextſein, Zauberei, dergl. gebraucht.

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