Jahrgang 
3 (1858)
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Von Arthur Schott. 467

ausſenden ſolle, um einen Menſchen aufzuſuchen, der vollkommen glücklich ſei. Dieſer ſolle alsdann an den Hof gebracht werden, damit ſich der hohe Kranke deſſen Hemdes* bedienen könne, da dies allein im Stand ſein wurde, ihn wieder geſund zu machen.

So geſchah es denn auch. Nach allen Richtungen hin flogen ſowohl im Reich, als auch weit über deſſen Grenzen hinaus Boten und Geſandte, von denen jeder den Auftrag hatte, einen vollkommen Glücklichen aufzu⸗ ſuchen und entweder ihn ſelbſt oder deſſen Hemde an den Hof zu bringen. Aber Tage und Monate vergingen, ein Bote, ein Geſandter um den andern kehrte heim, aber jeder unverrichteter Sache. Keinem war es gelungen, einen vollkommen glücklichen Menſchen zu finden.

Bereits waren ſchon beinahe alle zurück, welche ausgeſendet worden waren, da gelang es noch Einem im fernen Hochgebirge, wo faſt nur Steine und Stuͤrme gedeihen, einen Schäfer zu finden, zu deſſen Glück nichts zu fehlen ſchien. Derſelbe hütete eben ſeine kleine Heerde von Schafen, es mochten etwa zwanzig Stück ſein. Er hatte ſeinen Schafpelz um, eine Lammfellmuͤtze auf dem Kopf und einen mächtigen knotigen Krummſtab in der Hand. Der kaiſerliche Bote ſchaute ihm vom Thal herauf zu, wie er ſich an einer Berghalde bei ſeinen Wollträgern erluſtigte. Bald ſetzte er nämlich eine Flöte an den Mund und blies einige fröhliche Weiſen herunter, dann hielt er dieſelbe wieder in die Luft und tanzte und ſprang, indem er dazu pfiff und ſchnalzte.

So war der fröhliche Naturſohn einige Zeit herumgeſprungen, da ging der Bote hinauf und ſprach zu ihm:Guten Tag, Bruder! Du ſcheinſt ja recht heiter und luſtig zu ſein!Gott ſoll uns gute Zeit ſchenken, erwiderte der Angeſprochene darauf;ja mir iſt recht wohl, und warum ſollt' ich nicht luſtig ſein? Es geht mir, Gott ſei Dank, nichts ab. Ich ſehe, hub hierauf der Herrendiener wieder an,daß du ärmlich gekleidet biſt und wohl manchen Wunſch haben magſt, deſſen Erfüllung dich vielleicht noch glücklicher machen würde, als du jetzt biſt.

Glücklicher? fragte jener entgegen,mir fehlt nichts zu meinem Glück, ich habe keinen Wunſch mehr. Schau hier, Wald und Weide genug, meine Hütte und dieſe Schafe, was brauch' ich mehr? Dieſe Thiere nähren und kleiden mich; der Wald gibt mir Holz zum Feuern, wenn ich es wünſche, und dieſe Flöte macht mir ſo viel Vergnügen, als ich immer bedarf. Da biſt du in der That zu beneiden, ſagte hierauf der kaiſerliche Bote;

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