Neue walachiſche Märchen.
Von
Arthur Schott.
7. Bas einzige Mittel.
Es war ein Kaiſer, ſeinen Namen ſcheint die Geſchichte vergeſſen zu haben, dem hatte das Glück nichts verſagt, was die Erde mit ihren Schätzen und Gütern bieten konnte. Jeden, auch den geheimſten ſeiner Wünſche, ſah er, kaum gedacht, auch ſchon erfüllt, und ſo wäre er der Glucklichſte aller Sterblichen geweſen, wenn nicht eben dieſe überfließende Gunſt des Schick⸗ ſals in ihm nach und nach eine tiefe unbeſtegbare Schwermuth und Truͤb⸗ ſinn hervorgebracht hätte.
Eben da er nichts mehr zu wuͤnſchen und zu ſorgen hatte, fühlte er ſich mehr und mehr unwohl, und dieſe Krankheit nahm mit jedem Tage zu. Seine Umgebung kam hierüber in große Beſorgniß, und es wurden Aerzte und Heilkundige herbeigerufen, welche all ihre Kunſt aufbieten, und was ſie wußten, verſuchen mußten, aber umſonſt; es wollte keinem gelingen, den kaiſerlichen Herrn wieder herzuſtellen, ja die Krankheit nahm immer mehr zu, und ſo verſchwand allmälig jede Hoffnung, den hohen Kranken je wieder geneſen zu ſehen.
Deßhalb wurden auch alle Räthe und Weiſe berufen, welche am Hofe des Kaiſers lebten. Dieſe ſollten einen Rath halten, um vielleicht doch noch ein Mittel ausfindig zu machen, wodurch der Kaiſer wieder geſund werden könnte. Lange ſaßen die Räthe und Weiſen zuſammen, bis ſie endlich dahin überein kamen, daß man nach allen Ecken und Enden nah und fern Boten
* S. Hausblätter 1857. Bd. IV.


