10 Der Sieg des Schwachen.
Ein reguläres Dorfgeſicht mit einem regulären Bauernverſtand, die ſich beide imn
durch entſchiedene Einfachheit und eine gewiſſe Mannesähnlichkeit auszeich⸗ nehl
neten. So eine konnte einen Tobias freilich nur um ſo weniger einnehmen, dur
obwohl ihre Arbeitſamkeit und ihre Sparſamkeit über allen Zweifel erhaben und waren, und der Alte ihr eine ganz annehmbare Ausſteuer zu geben vermochte. All Die gute Sibylle, die ſich nach jahrelangem Hoffen und Bemühen keines Aus Erfolges rühmen konnte, empfand dies in Augenblicken, wo die Beſorgung Mo
des Hausweſens ihr Muße zum Nachdenken ließ, recht bitter, ließ ſich aber krie 4 b nicht abhalten, ihrem Herzen mit erneuerter Hoffnung zu ſchmeicheln. in Unter ſolchen Erfahrungen und Beziehungen wurde Tobias vierund⸗ ſch
zwanzig Jahre alt. Trotz dem höhern Streben, das in ihm lag, war er ſtets im väterlichen Hauſe geblieben. Auf die Wanderung hatte er ſich nicht als begeben, weil der Vater ihn nicht entbehren konnte, und in die Reihen der
ger
Landesvertheidiger war er nicht eingetreten, weil er ſich freigeſpielt hatte. ſi
Nun handelte es ſich aber darum, an das Scheiden aus dem bisherigen ha⸗
Verbande gleichwohl zu denken: er mußte die Frage der künftigen Exiſtenz u
ins Auge faſſen. Das Haus des Schneiders war Kaſper beſtimmt, Tobias a
mußte ſich einen eigenen Herd erheirathen oder mit Hülfe einer wohldotirten
Hochzeiterin kaufen. Durch die Sorge der Mutter war ihm eine beſtimmte 3 d
Summe ausgemacht worden, aber keine ſehr bedeutende, und wenn ſie der 1
Vater nicht großmüthig ergänzte(was nicht viel Wahrſcheinlichkeit hatte), t
ſo mußte Tobias, ſofern er weiſe handelte, entweder unverheirathet bleiben 1 oder ſich nach einem Mädchen umſehen, die ein ordentliches Vermögen hatte. d 1 Die Alternative war vor ihn geſtellt; und indem er ſie reiflich erwog, 4 4 ging in ſeinem Innern eine gewiſſe Veränderung vor. ſ Erfahrene wiſſen, daß die poetiſchen Träume recht ſchön ſind für die d Jugend, daß aber nach und nach eine Zeit herankommt, wo ſie weniger 1i
befriedigend erſcheinen und ſehr an Werth verlieren, während etwas Reelles, 1
das man bisher für unannehmlich, ja in ſtolzen Momenten für unwürdig.
1 gehalten hatte, ein freundlicheres Anſehen bekommt und im Preiſe ſteigt. 1 Das wirkliche Leben tritt mit den Idealen des Herzens in Kampf, und dieſer 1 endet in der Regel damit, daß die ätheriſchen Mächte weichen müſſen und. ſ
8 der große Begriff der Verſorgung das Feld behauptet. Wenn dies feinerzo⸗ 3 genen und zartgeſinnten Stadtkindern begegnet, um wie viel mehr dem
Dorfſohn, dem praktiſcheres Weſen angeboren iſt und der nur ausnahms⸗—
weiſe ſtädtiſcher Idealität etwas näher treten kann. Tobias hatte ſich freilich
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