Jahrgang 
3 (1858)
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8 Der Sieg des Schwachen.

einen Sohn zu haben, der von Andern Kränkungen hinnahm.Wie komm' be ich zu dieſem Menſchen? fragte er ſich manchmal im Unmuth über irgend 5 einen ihm zugegangenen Bericht. Die Antwort, daß er eben der Mutter nachſchlage, lag freilich nahe; aber er ſagte dann:Was ſich für ein Weib an ſchickt, das iſt für einen Mann eine Schande. Sich ſo etwas gefallen laſſen! di Aus dem wird nie etwas, nicht einmal ein rechter Schneider! Wenn Tobias 1 folgſam war und ehrbar ſeine Arbeit that, ſo half ihn das nicht viel; denn du in den Augen des Alten that er damit nur ſeine verdammte Schuldigkeit, 6. und am Ende, was war er denn, wenn er nicht einmal das konnte? Machte we 4 er aber zufällig einen Fehler oder ließ er ſich gar eine Anwandlung von ih Selbſtändigkeit beikommen, dann loderte in dem Alten der Verdruß über d den Wicht um ſo raſcher und heftiger auf und die Verachtung ſchärfte die Strafe, welche die väterliche Gerechtigkeit dictiren zu müſſen glaubte. Der 8s Gedemüthigte konnte ſich dann nicht einmal an dem Bruder erholen, und die la ſchönen Titel, die er erhielt, an dieſen weitergeben; denn Kaſper, obwohl p zehn Jahre jünger, war ein trotziger Burſch, der ſich gegen ihn ſtellte und ſ um ſo kecker wurde, je mehr er wahrnahm, wo es bei Tobias eigentlich W haperte und daß er im Nothfall mit Sicherheit auf den Beiſtand des Alten rechnen konnte.*.. Eine Enſchädigung gewährte dem Schneider doch auch die wirkliche Welt in dem Wohlwollen des ſchönen Geſchlechts. Der hübſche, feine d Menſch mit der geraden, zierlich kleinen Naſe, wie es im Dorf keine zweite d gab, hatte den Beifall der Mädchen; und das Unrecht, das man ihm an⸗ l

that, flößte den guten Seelen keine Geringſchätzung, ſondern ein gewiſſes Mitgefühl ein, das dem, der es erregt, ſtets nützlich zu werden pflegt. Sie lächelten zwar gelegentlich auch über ihn, aber mit Freundlichkeit und mit einem Blick, als ob ſie an dem Angefochtenen gar viel Gutes wüßten, wo d Andere froh ſein könnten, wenn ſie's hätten. Tobias tanzte vortrefflich, ſchwätzte, wenn er in Laune war, nicht übel; konnte als Schneider, der in allerlei Häuſer kam, ſo manches erzählen und war eben ein ſeelenguter Menſch, dem man nicht bös ſein konnte. Hie und da nahm ſich eine Wohl⸗ meinende, die zugleich etwas älter war, ſeiner mütterlich an und führte einen. 2 Angreifer durch luſtig eifrige Vorhaltung der Tugenden ab, die den Tobias vor ihm auszeichneten. Und wenn es nun freilich nicht ſehr ſchmeichelhaft war, daß ein Mädchen für ihn einſtehen mußte, ſo lag in der Lebhaftigkeit des Beiſtandes doch auch wieder etwas Angenehmes für ihn, und er konnte