Der Sieg des Schwachen.
des Zorns nicht gewichtvoll genug ſein möchte, nach dem Bierkrug und ſchlug den Aergſten, der ihm eben am weheſten gethan, mit„'ner höllen⸗ mäßigen Geſchwindigkeit“ hinter die Ohren, daß die Folgen ſogleich ſichtbar wurden und Blut mit Bier vermiſcht von dem dicken Schädel herabfloß. Das war unerhört, und recht eigentlich empört mußten die Kerle über den unverſchämten Schneider ſein, der nicht einmal Spaß verſtand und ihnen ſo einfältig ihre Freude verdarb. In gerechter Entrüſtung fielen ſie uͤber den Armen her, zerdroſchen ihn jämmerlich, und ſchleuderten ihn, der im höchſten Grimm ſich wehrte und auch ſeinerſeits noch ein paar unangenehme Stöße austheilte, in die Nacht des Wirthshaushofes hinaus. Genau genommen war es für den Einen und Feinen keine Schande, von vier Lümmeln über⸗ wältigt zu ſein, vielmehr der Umſtand, daß viele gegen Einen beſchäftigt waren, eine Ehre; aber ſo groß war die Ungerechtigkeit ſchon in Bezug auf ihn, daß am andern Tag die Leute, die ihm begegneten, doch Spottmienen zeigten, und ſeine etwas prahlende Verſicherung gegen einen Bekannten, daß vier Kerle nöthig geweſen ſeien, ihn aus dem Wirthshaus hinauszuwerfen, nur ein vergnügtes Lachen hervorrief. So von mehreren Seiten zum Nach⸗ denken gemahnt, erkannte er wieder das Rathſamere und faßte den Entſchluß, zum böſen Spiel höhnender Worte gute Miene zu machen und ſich haupt⸗ ſächlich auf das zu legen, worauf er am Ende doch von der Natur am mei⸗ ſten angewieſen war— auf die Geduld.
Er hatte die Kraft, dieſem Entſchluß, äußerlich wenigſtens, nachzuleben. Er ſetzte dem hie und da wiederkehrenden Geſtichel ein ruhiges Geſicht oder ein ſtilles Achſelzucken entgegen, bis es endlich ganz aufhörte. Erneuerte Attaken, die an fernere Gelegenheiten anknüpften, ſuchte er mit Repliken abzuweiſen, die er bei Andern wirkſam geſehen hatte, und den ſtärkſten gelang es nur, ihm jenes ſchmerzliche Lächeln abzunöthigen, wodurch ver⸗ letzte Seelen einen Theil ihrer innern Bewegungen verrathen. Denn die Verletzlichkeit ſelbſt konnte er freilich nicht ablegen;— immer mußte es ihn verdrießen, daß er, der durch Feinheit und guten Charakter offenbar weit über den groben Burſchen ſtand, von dieſen ſich begegnen laſſen ſollte, als ob er tief unter ihnen ſtände.— Aber konnte er ſich nicht auf andere Weiſe helfen? Konnte er die Menſchen nicht in ſeinen Gedanken heruntermachen und ihnen die Titel geben, die ihnen gebührten? Ja, konnte er ſie hier nicht auch thatſächlich behandeln, wie ſie's verdienten?— Er machte denn zuletzt, wie es mancher ehrliche Deutſche thut, eine Fauſt in der Taſche und
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