Jahrgang 
3 (1858)
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Von Melchior Meyr. 5

Mißgeſchick, auch uͤber ſeine Dummheit, bedeutend zu ärgern, bis ihn ſein

leichtes Blut alles wieder vergeſſen ließ. Sein Element war der Friede, und im Frieden glücklich zu ſein, hatte er alle Eigenſchaften. Leider beſaß er aber auch ein paar, die recht darnach angethan waren, ſeine e Ruhe zu ſtören und ihn in die Aufregung und die Unluſt des Kampfes zu verwitkeln.

Wer die Menſchen kennt, der weiß, daß man eigentlich nur auffallend

gutmüthig zu ſein braucht, um den Geiſt der Bosheit gegen ſich in Bewe⸗ gung zu ſetzen. Iſt der Gutmüthige noch ſelbſtgefällig und empfindlich, dann iſt das Maß der Anziehungskraft voll, und es ſcheint, als ob niemand ein anderes Geſchäft hätte, als ſo einem den Humor zu verderben und Ver⸗ druß zu bereiten. Tobias hatte als Inhaber dieſer Eigenſchaften bereits als Schuljunge viel zu leiden. Es war, als ob die andern Buben kein größeres Vergnügen finden könnten, als ihn zuträtzen; und wenn ein Schlingel den Anfang machte, ſo hatte er augenblicklich Genoſſen, und was dem einen nicht einfiel, wußte der andere. Fing der Geärgerte in der Verzweiflung endlich an zu ſchimpfen oder gar zu ſchlagen, ſo machte er ſeine Sache nicht beſſer. Er bekam die Hiebe zehnfach wieder, und wenn er zuletzt heulend davonging, ſo wurde ihm noch ein boshaftes Gelächter nachgeſchickt. Nach und nach fing er an zu fühlen, was für ihn das Geeignetere ſei, und hütete ſich, es ſo weit kommen zu laſſen; er zog es vor, lieber gleich Geduld zu haben un die Spottreden der kleinen Böſewichter, wie ſehr ſie ihn kränkten und ſchmerzten, mit Reſignation auszuhalten, bis ſie aus Mangel an Wirkung verſtegten.

Als er herangewachſen war und mit den ledigen Burſchen ins Wirths⸗ haus und auf die Gaſſe ging, wurde daſſelbe Stückchen, nur in einer andern Tonart, weiter geſpielt. Es waren ja meiſt die nämlichen Menſchen, die ihn als Buben geplagt und erfahren hatten, wie ſehr er ſich dazu eigne und wie trefflich man an ihm den Uebermuth, der ein Opfer haben muß, aus⸗ laſſen könne. Lange hielt er an ſich oder antwortete mit Entgegnungsver⸗ ſuchen, womit er's nach ſeiner Meinung den unverſchämten Menſchen tüchtig hinausgab, die aber im Grunde bloße Empfangsbeſcheinigungen der erhal⸗ tenen Stiche waren und als ſolche erheiternd nur zu geſteigerten Angriffen reizten. Eines Tages 81 i ihn aber die Geduld. Am Wirthstiſch von den boshafteſten Burſchen des Dorfes in die Mitte genommen und durch an⸗ zügliche Reden über ſeine Verſun und ſeinen Stand endlich raſend gemacht, griff er in dem inſtinktmäßigen Gefuhl, daß ſeine Fauſt auch im Schwunge

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